Hintergründe zur Affäre um geschassten
Kripo-Chef Frühwirth: NEWS hat die Details
- Frühwirth hinterlässt aufklärungswürdige Vorgänge
- Bilder-Deal: Heiße Fotografien und nächtliche Talks

Am Donnerstag der Vorwoche hatte Oberst Roland Frühwirth einen schweren Gang anzutreten: Der Leiter der KD1, mit 2,02 Metern ein Hüne von einem Mann, wusste wohl, was ihm im Gespräch mit seinem Vorgesetzten dräuen würde: jene Dienstzuteilung zum Projekt "Umsetzung der Kriminalstrategien", die ihm Landespolizeikommandant Karl Mahrer wenig später in gewählten Worten mitteilte. Im Klartext bedeutet das: Der Topkriminalist wurde aus dem Dienst an der Spitze der Wiener Kripo abgezogen und einer Planungsstelle zugeteilt, die keinerlei operative Tätigkeiten ausführt - Frühwirth wurde damit in ein "polizeiliches Abstellkammerl" verräumt.
Einer der Auslöser für diese "vorläufige Verwendungsänderung", wie es korrekt heißt, war eine höchst dubiose nächtliche Einlage, die Frühwirth schon im September 2007 geliefert hatte. Das Protokoll der seltsamen Vorgänge: Frühwirth hatte eines Nachts um 4 Uhr früh den prominenten Wiener Strafverteidiger Werner Tomanek telefonisch aus dem Schlaf gerissen und ihn zu einem "dringenden Gespräch" in ein Wirtshaus gebeten. Tomanek folgte dem dubiosen "Weckruf" - und hörte dann stundenlang zu, wie Frühwirth zu einem Rundumschlag ansetzte: Er werde sich "jetzt einmal gegen seine Feinde zur Wehr setzen". Namentlich nannte der KD1-Chef dabei neben Anwalt Tomanek selbst den längst suspendierten Polizeihofrat Ernst Geiger, dessen Verteidiger Manfred Ainedter und zuletzt auch einige NEWS-Journalisten. Man versuche, ihn fertigzumachen, und dagegen habe er Mittel in der Hand, ereiferte sich Frühwirth, belastende Akten, die "zentimeterhoch" wären.
Anwalt schaltet sich ein
Tomanek erzählte Geigers Verteidiger von Frühwirths Eskapaden, Ainedter fand die Story "untersuchungswürdig" und wandte sich damit schließlich vor wenigen Tagen an Frühwirths Vorgesetzten Karl Mahrer. Und dieser entschloss sich dann zur Verwendungsänderung Frühwirths. Mahrer dazu auf Anfrage von NEWS: "Es geht hier nicht um Erpressung oder Nötigung. Aber ein solches Verhalten ist generell für einen hohen Polizeibeamten nicht tragbar."
Viele Vorwürfe
Was NEWS-Leser ohnehin seit fast zwei Jahren wissen: Abgesehen vom nächtlichen Café-Talk gibt es eine Latte von massiven Vorwürfen gegen den einst von (dem mittlerweile in erster Instanz verurteilten) Roland Horngacher installierten Polizeioberst: So soll Frühwirth für die Erstellung jener "Sperrliste" mitverantwortlich gewesen sein, durch die unangemeldete Kontrollen von Rotlichtlokalen verhindert wurden.
Weiters besteht der dringende Verdacht, Roland Frühwirth habe unter Anleitung Horngachers im Zuge der Erhebungen zur "Sauna-Affäre" versucht, Hofrat Ernst Geiger, den größten Konkurrenten des Ex-Generals, "auszuschalten". Zudem ist Fakt: Seit Frühwirths Beförderung zum obersten Boss der Wiener Kripo sank in der Bundeshauptstadt nicht nur die Zahl der aufgeklärten Verbrechen dramatisch, sondern es häuften sich auch die Polizeiskandale. Engste Mitarbeiter Frühwirths wurden - wegen vermuteter enger Kontakte ins Rotlichtmilieu oder manipulativ geführter Fahndungen - versetzt oder gar suspendiert.
Und dann gibt es da nun auch noch - Frühwirth betreffend - einen "Vorfall", der durchaus untersuchungswürdig scheint. Die Story dazu:
Mysteriöse Mittelsmänner
Im Sommer 2006 wurden dem NEWS-Reporter Christian May aus der Rotlichtszene für 5.000 Euro "belastende Fotos" angeboten, die den Kripo-Chef in Begleitung angeblich "zweifelhafter Damen" zeigen würden. May blieb zurückhaltend, zumal der Sinn und Zweck der Bilder - nämlich Frühwirth durch eine Veröffentlichung zu diskreditieren - zu offensichtlich schien.
Zwei Wochen später, gegen Ende September, meldet sich dann ein anderer Mittelsmann. und bot diesem eine noch größere Serie von Bildern an, die Frühwirth "belasten" sollten. Ainedter schlug dem anonymen Mittelsmann ein Treffen mit Walter Pohl, Mitglied der NEWS-Chefredaktion, vor. Bei dem folgenden Gespräch in der Anwaltskanzlei stellte sich der "Fotohändler" als "Herr Steinhauser" vor. Der Mann legte dann ganze "Fotoromane" vor - die Frühwirth, mehrere Hundert-Euro-Scheine in der Hand haltend, einmal mit einer Dame in einem Chinarestaurant zeigten - und dann auch noch im vertraulichen Talk mit einer weiteren jungen Frau an der Bar eines Wiener Luxushotels. Die Serie endete mit einer Aufnahme von Frühwirth, wie er mit seiner hübschen Begleitung vor einem Lift des Hotels wartete. Auch bei diesen Bildern schien die Intention freilich offensichtlich: Mit ein wenig Fantasie hätte man annehmen können, Frühwirth würde mit einer Dame des leichten Gewerbes - oder zumindest einem Escort-Mädchen - eines der Zimmer aufsuchen.
Klar war Pohl aber damals schon: Als Beweis für berufliche Fehltritte Frühwirths konnten die Fotos kaum dienen. Umgekehrt: Bei einer etwaigen Veröffentlichung hätte Frühwirth gute Chancen gehabt, eine hohe Entschädigungssumme vor Gericht zu erstreiten. Und NEWS in Misskredit zu bringen.
Viele offene Fragen
Erst am 17. Dezember 2007 lichteten sich die Nebel rund um die seltsamen Bilder. Beim Verleumdungsprozess Frühwirths gegen Hofrat Ernst Geiger, den Frühwirth übrigens in erster Instanz verlor, wurden ihm die Fotos von Anwalt Ainedter zur Stellungnahme vorgelegt. Und der Kripo-Chef ließ mit einer gewissen Süffisanz ausrichten: "Die Damen auf den Fotos sind meine Nichte und meine Tochter
Und so bleiben viele Fragen offen: Warum fotografiert ein "Paparazzo" Frühwirth bei familiären Treffen? Wer wusste, wo und wann Frühwirth in seiner Freizeit wen trifft? Wer beauftragt einen "Detektiv", solche "belastenden" Fotos zu produzieren?
NEWS, so viel steht zweifelsfrei fest, war's jedenfalls nicht
Lesen Sie die gesamte Geschichte im NEWS Nr. 4/08!
