Donnerstag, 24. Jänner 2008

Prozess um Strache-Bilder: Ex-Klubomann Ewald Stadler belastet FPÖ-Chef schwer

  • Soll auf Foto Krawatte mit Reichskriegsflagge zeigen
  • Ein in der Neonazi-Szene äußerst beliebtes Symbol

Der ehemalige freiheitliche Klubobmann Ewald Stadler hat im Wiener Straflandesgericht in einem von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache angestrengten Medienverfahren diesen schwer belastet: Auf jenem von der Tageszeitung "Österreich" veröffentlichten Foto, das Strache beim sogenannten Widerstands- bzw. Kühnengruß zeigen soll, trage Strache eine auffällige Krawatte. Auf dieser sei nämlich die Reichskriegsflagge aus dem ersten Weltkrieg zu sehen, sagte Stadler im Zeugenstand.

Dieses Emblem sei "ideologisch konnotiert", betonte der mittlerweile aus der FPÖ ausgeschiedene Ex-Politiker, der zuletzt als Kontrahent Straches galt. "Es war in der Szene damals sehr beliebt", bemerkte Stadler unter Anspielung auf das gegenständliche Foto, das Strache im Kreis von Burschenschaftlern zeigt.

Die Reichskriegsfahne existiert seit 1867 in verschiedenen Darstellungsformen. Sie war die offizielle Kriegsflagge der Streitkräfte des Deutschen Reichs und später der Wehrmacht. In Deutschland ist die Darstellung und Verbreitung der Version mit dem Hakenkreuz strafbar: Die Reichskriegsflagge gilt als ein beliebtes Symbol in der Neonazi-Szene und soll vor allem als Aufnäher oder T-Shirt-Motiv Verwendung finden.

"Das ist das Naheliegendste"
Der Wiener Zeitgeschichte-Professor Gerhard Botz hält es für "das Naheliegendste", dass das erschienene Foto Heinz-Christian Strache bei der Abwandlung eines Hitler-Grußes und nicht beim Bestellen von drei Bier zeigt. Das gab der als sachverständige Zeuge geladene Geschichtswissenschafter zu Protokoll. Es sei "nicht ausschließen, dass es eine alltägliche, verlockerte Ausübung des Kühnen-Grußes ist".

"Hochamüsiert" und gleichzeitig mit "Bedauern" hat die FPÖ auf die Aussagen Stadlers reagiert. Es sei "bedauerlich, mitansehen zu müssen, wie jemand wie Ewald Stadler so tief sinken" könne und "seine Zuflucht zu manipulativen Konstrukten suche, die nur mehr peinlich seien", so FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky.

Auch Jugendfotos Teil der Klage
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte "Österreich" geklagt, weil er bestreitet, dass das Bild, auf dem er mit drei abgespreizten Fingern der rechten Hand zu sehen ist, eine verpönte Grußform dokumentiert. Strache will mit dieser Geste vielmehr drei Bier geordert haben. Das medienrechtliche Verfahren umfasst darüber hinaus eine weitere Klage rund um Jugendfotos von Strache, die ihn bei Wehrsportübungen am Fuß des Kärntner Ulrichsbergs darstellen sollen.

(apa/red)

24.1.2008 15:37