Erste Nokia-Mitarbeiter müssen gehen: Indirekter Boykott-Aufruf von Nokia-Handys
- Lücken in Bericht über Verwendung von Subventionen
- Handy-Weltmarktführer verteidigt Schließungspläne

·Kein EU-Geld im Spiel
bei Umzug von Nokia
D: Abbau tausender Jobs nicht von EU gefördert
·Finnen gewinnen: Nokia am wertvollsten
Führt Markenranking in Europa an. Red Bull 12.
Nach der angekündigten Schließung des Bochumer Nokia-Werks sind einem Zeitungsbericht zufolge die ersten Mitarbeiter entlassen worden. Zahlreiche Leiharbeiter hätten von ihren Firmen die Kündigung erhalten oder sollten in den kommenden Tagen entlassen werden, berichtete. Einem Zeitungsbericht zufolge waren bisher insgesamt mehr als tausend Leiharbeiter in dem Bochumer Werk tätig.
SPD-Chef Kurt Beck rief derweil indirekt zum Boykott von Nokia-Handys auf. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) appellierte erneut an das Nokia-Management, das Werk in Bochum zu erhalten. "Die Mitarbeiter sind bereit, Veränderungen zu tragen und Verzicht zu üben", sagte Rüttgers beim Neujahrsempfang der NRW-CDU in Düsseldorf. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) warf dem finnischen Handy-Hersteller Tricksereien im Umgang mit Subventionsmillionen für das Bochumer Werk vor.
Mehrere Leiharbeiter müssen gehen
Mehrere Nokia-Angestellte der Zeitarbeitsfirma Randstad müssten gehen, berichtete die "Westfälische Rundschau". Demnach sind 500 Randstad-Mitarbeiter für Nokia tätig. Eine Randstad-Sprecherin habe die Entlassungen offiziell zwar nicht bestätigt, allerdings könne sie "nicht ausschließen, dass es erste Kündigungen gegeben habe". Auch die Zeitarbeitsfirma Adecco sei eigenen Angaben zufolge mit rund 500 Angestellten bei Nokia vertreten. Eine Sprecherin sagte dem Blatt, in den nächsten Tagen würden die ersten davon gekündigt. Beide Firmen wollten ihre Mitarbeiter bevorzugt in andere Jobs vermitteln. Die Zahl der Betroffenen lasse das aber nicht für alle zu.
Beck fordert indirekt zum Boykott auf
"Es ist nicht meine Art, zum Warenboykott aufzurufen", sagte SPD-Chef Beck der "Bild am Sonntag". "Aber für mich - und vielen Deutschen geht es sicher ähnlich - hat der Name Nokia seit dieser Woche keinen guten Klang mehr. Mir persönlich kommt kein Nokia-Handy mehr ins Haus." Indirekt forderte Beck zum Boykott auf: "Wir alle können gemeinsam deutlich machen, dass wir uns nicht vorführen lassen. Deutschland hat 82 Millionen Verbraucher." Auch Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn schloss sich im Bremer "Kurier am Sonntag" den Boykott-Aufrufen an. Zuvor hatten schon mehrere Politiker einen Nokia-Boykott angekündigt, darunter Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) und SPD Fraktionschef Peter Struck.
Berichte über Verwendung von Subventionen "lückenhaft"
Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Thoben sagte dem "Focus", die Nokia-Berichte über die Verwendung von 1985 gezahlten Subventionen seien "lückenhaft", und die Zahl der Arbeitsplätze sei "schön gerechnet" worden. Thoben drohte Nokia für den Fall der Schließung des Bochumer Handy-Werks an, der Konzern müsse Subventionen in Höhe von bis zu 41 Millionen Euro zurückzahlen. Beim Spitzengespräch in Berlin habe sie am Freitag das Nokia-Management deutlich vor "einem gewaltigen Imageschaden wie bei Siemens" nach der Schließung des BenQ-Werkes in Kamp-Lintfort gewarnt.
Die EU-Kommission stellte Hilfen für die von der Schließung des Bochumer Nokia-Werkes betroffenen Menschen in Aussicht. "Gerade weil wir auch um die Härten von Veränderungsprozessen wissen, stehen unser Sozial- und unser Globalisierungsfonds in Fällen zur Verfügung, in denen die Mitgliedstaaten solche Veränderungen nicht allein auffangen können", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso der "Wirtschaftwoche".
Die "Bild"-Zeitung berichtete dagegen unter Berufung auf Regierungs- und Kommissionskreise, die Bundesregierung könne kein Geld aus den EU-Fonds beantragen, weil die Werksverlagerung innerhalb der EU, nach Rumänien, erfolge. EU-Industriekommissar Günter Verheugen zog den Sinn von Subventionen an Firmen grundsätzlich in Zweifel. "Statt Investitionszuschüsse an private Unternehmen zu geben, sollte das Geld in Bildung, Ausbildung und den Aufbau einer exzellenten Infrastruktur gesteckt werden", sagte er der "Welt am Sonntag.
Nokia verteidigt Schließungspläne
Unterdessen verteidigte der finnische Handy-Weltmarktführer Nokia seine Schließungspläne für das Bochumer Werk erneut mit Kostendruck. Nokia-Personalchef Juha Äkräs sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", der Standort Rumänien biete enorme Vorteile. "Dort arbeiten die Menschen für ein Zehntel der deutschen Entgelte", so Äkräs. "Selbst wenn sich die Löhne in den kommenden Jahren verdoppeln oder verdreifachen, lohnt sich das."
(apa/red)
