Dienstag, 15. Jänner 2008

Einigung mit Konsequenzen: Deutsche Bahn kündigt Stellenabbau & Preiserhöhungen an

  • Zusätzliche Belastungen müssen aufgefangen werden
  • Gewerkschaft sauer: "Kampfansage" an Angestellte

Die Deutsche Bahn hat als Konsequenz aus der weitgehenden Tarifeinigung mit der Lokführergewerkschaft GDL Stellenabbau und Preiserhöhungen angekündigt. Die zusätzlichen Belastungen müssten aufgefangen werden, sagte Vorstandschef Hartmut Mehdorn in Berlin. Es werde nun "sehr schnell" geprüft, wie die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns wiederhergestellt werden könne. Konkrete Angaben zu geplanten Maßnahmen machte Mehdorn vorerst nicht. "Es wird uns gelingen, aber die Konsequenzen werden für uns bitter sein."

Die Deutsche Bahn und die GDL hatten sich nach monatelangem Ringen bei einem Treffen im Verkehrsministerium auf Eckpunkte eines Tarifvertrags geeinigt. Demnach bekommen die Lokführer 800 Euro Einmalzahlung sowie bei einer Laufzeit bis Ende Jänner 2009 schrittweise elf Prozent mehr Geld. Zum 1. Februar 2009 soll dann die Wochenarbeitszeit bei gleicher Bezahlung um eine Stunde auf 40 Stunden gesenkt werden. Mehdorn sprach vor diesem Hintergrund von drohenden "zusätzlichen Belastungen in Milliardenhöhe über den Planungszeitraum der nächsten fünf Jahre", die aufzufangen seien.

Auch der Pakt zur Beschäftigungssicherung sei "so nicht mehr existent", wenn die Deutsche Bahn den Tarifabschluss unterschreibe, so Mehdorn. Der Pakt schließt bisher betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2010 aus.

Einigung "Niederlage"
Mehdorn bezeichnete die Einigung auf die Eckpunkte eines eigenständigen Tarifvertrages als "Niederlage, nicht nur für die Bahn, sondern für den Standort Deutschland".

Der Abschluss gehe weit über das wirtschaftlich vertretbare Maß hinaus, sagte Mehdorn. Den jährlichen Schaden bezifferte er auf 200 Mio. Euro, für die kommenden fünf Jahre ergebe sich eine "Belastung in Milliardenhöhe". Das gelte es aufzufangen, und "das wird uns auch gelingen", sagte der Bahnchef.

Kampfansage an Arbeitnehmer
Die deutsche Bahngewerkschaft GDBA wertet den angekündigten Stellenabbau als Kampfansage an die Arbeitnehmer des Konzerns. Sie erklärte sich solidarisch mit der Lokführergewerkschaft GDL. "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren, auch wenn wir den Kurs der GDL für falsch halten", sagte ein GDBA-Sprecher in Frankfurt.

Die Gewerkschaften wollten eine gerechte Entlohnung für alle. Es sei eine Unverschämtheit, wenn Mehdorn nun die Vereinbarung mit der GDL als Grund für Preiserhöhungen und Stellenabbau nenne. Der Tarifabschluss der Deutschen Bahn mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA liege schließlich sogar noch einen Tick höher.

(apa/red)

15.1.2008 12:47