Mittwoch, 16. Jänner 2008

Justiz ermittelt gegen Weltfußballer Kaka:
Soll Millionen an Sekte gespendet haben

  • Welt-Star mit engem Kontakt zu 'Renascer em Cristo'
  • Staatsanwalt: Geldwäsche und Dokumentenfälschung

Der brasilianische Fußball-Star Kaka ist wegen seiner Kontakte zu einer protestantisch-fundamentalistischen Sekte ins Visier der Justiz geraten, wie die Kathpress meldete. Laut Medienberichten ermitteln brasilianische und italienische Behörden gegen den Offensivspieler des AC Milan, der enge Beziehungen zu der Gemeinschaft "Renascer em Cristo" aus Sao Paulo unterhält.

Die beiden Anführer der Sekte, Sonia und Estevam Hernandes, büßen in den USA derzeit eine zehnmonatige Freiheitsstrafe wegen Geldwäsche und Devisenschmuggels ab, in Brasilien besteht ein Haftbefehl wegen Betrügereien und Steuerhinterziehung. Das Privatvermögen des Ehepaares Hernandes wird auf umgerechnet 52 Millionen Euro geschätzt.

Kaka ins Verhör
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo ist inzwischen auch die italienische Justiz eingeschaltet. Kaka soll unter anderem wegen einer Überweisung von mehreren Millionen Euro an die Sektenführer verhört werden. Staatsanwalt Marcelo Mendroni will außerdem wissen, ob das Ehepaar Hernandes in Kakas italienischem Privathaus ein- und ausging.

Mendroni charakterisiert die Machenschaften der Sektenspitze als kriminell. Dennoch habe Kaka die Gemeinschaft und das Ehepaar an der Spitze immer wieder öffentlich verteidigt. Nachdem die FIFA Kaka im Dezember als Weltfußballer ausgezeichnet hatte, sei der Fußballer nach Sao Paulo geflogen und habe bei einer Massenveranstaltung die Trophäe dem "Templo central" der Sekte zur dauernden Ausstellung gestiftet.

Die Gemeinschaft "Renascer em Cristo" mit Sitz in Sao Paulo ist Brasiliens zweitgrößte protestantisch-fundamentalistische Gemeinschaft. Unter anderem erhielt sie von der Regierung hohe Subventionen für Alphabetisierungskurse, die jedoch bisherigen Ermittlungen zufolge kaum stattfanden. Die Regierung von Staatspräsident Luis Inacio "Lula" da Silva, die anfänglich auf Kooperation mit protestantisch-fundamentalistischen Sekten gesetzt hatte, soll mittlerweile eine Kurskorrektur vorgenommen haben.

Sekte: "Religiöse Verfolgung"
Die Sekte nahm ihr prominentestes Mitglied aber in Schutz. Es handle sich um einen Fall "religiöser Verfolgung", hieß es in einer Erklärung der Gemeinschaft. Die Sekte kündigte an, den ermittelnden brasilianischen Staatsanwalt Marcelo Mendroni zu verklagen. Der Fußball-Star verdiene sein Geld auf ehrliche Weise "und macht damit, was er will".

Kaka hatte in Interviews erklärt, dass er ein volles Zehntel seines Jahreseinkommens von geschätzten neun Millionen Euro an "Renascer em Cristo" überweise. Zu den neuesten Anschuldigungen wollte er sich nicht öffentlich äußern. Staatsanwalt Mendroni bezeichnet die Sekte als kriminelle Organisation, die Dokumente fälsche, Geld wasche und sich unrechtmäßig Spenden aneigne. (apa/red)

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16.1.2008 10:20