Dienstag, 15. Jänner 2008

Vogts will Afrika-Cup nach Nigeria holen:
Teamchef fordert Titelgewinn ohne Gegentor

  • Auch Gastgeber Ghana und Elfenbeinküste Favoriten
  • Rekordsieger Ägypten ist auf Titelverteidigung aus

Seit März 2007 ist Berti Vogts Fußball-Teamchef von Nigeria, er verbringt dort vier, fünf Tage pro Monat und sein Vertrag läuft bis zum Ende der WM-Qualifikation 2010. Er hat mit den "Super Eagles" viel vor. "Wir wollen seit langer Zeit wieder den Afrika-Cup gewinnen", sagt der seit 30. Dezember 2007 nun 61-Jährige vor dem Anpfiff zum kontinentalen Turnier ab Sonntag in Ghana. Als Titelverteidiger nimmt Rekordsieger Ägypten den Kontinent-Titelkampf in Angriff.

Vogts, sowohl als Spieler (1972) als auch als Trainer (1996) mit Deutschland Europameister, zählt neben seiner Truppe die Gastgeber und natürlich die zuletzt 2006 im Endspiel gestandene Elfenbeinküste, auf die die Nigerianer in der Gruppe B mit Mali und Benin treffen werden, zu den großen Titelfavoriten. "Mein Ziel ist es, den Cup ohne Gegentor zu gewinnen und das wird gegen die Elfenbeinküste nicht einfach", weiß die Gladbach-Legende (419 Bundesliga-Spiele für Borussia).

"Das ganze Land erwartet den Titelgewinn. Wir selbst natürlich auch. Wir sind Mitfavorit, haben eine starke Mannschaft und hohe Qualität", meinte Vogts vor seiner ersten Bewährungsprobe als Nigeria-Teamchef. Der Rücktritt seines Landmannes Uli Stielike, der wegen der schweren Erkrankung seines Sohnes als Nationaltrainer der Elfenbeinküste zurücktrat, macht ihn betroffen. "Das Spiel tritt in den Hintergrund. Da muss man nicht über sportliche Dinge reden. Er hat unser Mitgefühl", sagt der ehemalige DFB-Teamspieler Vogts.

Wie hoch die Erwartungen der Nigerianer sind, die zuletzt 1994 den Afrika-Cup gewannen und zuletzt 2004 und 2006 jeweils Dritte wurden, zeigt der eigens nach Marbella ins spanische Trainingslager gereiste nigerianische Sportminister Abdulrahman Hassan Gimba. "Wir geben euch alles, war ihr in der Vorbereitung auf und abseits des Rasens benötigt. Macht uns aber den Gefallen und holt die Trophäe"", appellierte das Regierungsmitglied an die Spieler.

Zurück zur Elfenbeinküste, die im jüngsten Afrika-Cup-Finale 2006 Ägypten unterlag: Der deutsche Weltmeister von 1974 zeigt vor dem Gruppen-Rivalen Respekt. "Dieser Gegner verfügt vom Potenzial her über die vielleicht beste afrikanische Mannschaft", meinte Vogts. Umso überraschter war er im vergangenen Oktober über den 3:2-Sieg der Österreicher in Innsbruck. Das sei ein herausragendes Ergebnis für die Elf seines Freundes Josef Hickersberger gewesen.

Das Kollektiv geht vor
Vogts glaubt aber genauso an die Stärken der eigenen Auswahl. "Wir sind auf gutem Weg, haben eine Mannschaft mit herausragenden Einzelspielern. Es funktioniert aber nur über das Kollektiv, das ist das Wichtigste. Für diejenigen, die nur an sich denken, wird's schwer", meinte der frühere Teamchef von Deutschland, Kuwait und Schottland, der als Aktiver 96 Länderspiele für den DFB bestritten hat.

Es ist also denkbar, dass der fünffache Meister und zweimalige UEFA-Cupsieger (mit Gladbach in den 70er Jahren) mit seinen westafrikanischen "Super Eagles" am 27. Mai zur Generalprobe vor EM-Beginn als Afrika-Cup-Sieger nach Österreich kommt. "Es wird ein guter Test für meinen Kollegen und mich", sagt Vogts, der nur Spieler von europäischen Vereinen (Everton, Chelsea, Lazio etc.) einberief und angebliche unzumutbare Arbeitsbedingungen und ausstehende Gehaltszahlungen dementiert. "Wir haben nun alles, was wir brauchen und zuletzt ist mir am 20. Dezember Geld überwiesen worden."

Schlafender Riese Afrika
Vogts sieht die WM-Endrunde in über zwei Jahren in Südafrika als "letzte Chance Afrikas, den südamerikanischen Fußball anzugreifen". Die Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria würden die Eleganz und Schönheit der Spielweisen Brasiliens und Argentiniens vereinen, so der Deutsche. "Das ist eine Mischung aus diesen beiden Ländern." Afrika sei ein schlafender Riese, da wird Fußball gelebt und geliebt. Limitierter Faktor sei jedoch die mangelnde Organisation in den Fußball-Verbänden. "Wenn die Nigerianer so organisiert wären wie der deutsche Verband, dann wäre das Land in den vergangen zwölf Jahren jeweils ins WM-Halbfinale eingezogen", glaubt Vogts.
(apa/red)

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15.1.2008 10:57