Samstag, 19. Jänner 2008

Federer wankte, fiel aber nicht: Gewinnt fünften Satz gegen Tipsarevic mit 10:8

  • 4:27 Stunden Hochspannung am verregneten Tag
  • Blake dreht Match. Kusnewzowa, Tschakwetadse out

Beinahe wäre nach dem nächtlichen Aus von Andy Roddick der Tennis-"King" selbst vom Thron gestoßen worden: Roger Federer musste in der dritten Runde der mit 12,45 Mio. Euro dotierten Australian Open gegen den ungesetzten Serben Janko Tipsarevic neben seinem vielgepriesenen Talent erstmals seit langer Zeit so richtig kämpfen. Erst nach 4:27 Stunden und nach einem 1:2-Satzrückstand hatte der topgesetzte Schweizer den Sieg mit 6:7(5),7:6(1),5:7,6:1,10:8 in der Tasche.

Bereits zuvor hatte es gleich eine ganze Reihe von Überraschungen gegeben. Melzer-Bezwinger Marin Cilic aus Kroatien schaltete den Vorjahrsfinalisten Fernando Gonzalez (CHI-7) mit 6:2,6:7(4),6:3,6:1 aus. Und bei den Damen mussten sich zwei Russinnen, die Nummern 2 und 6 des Turniers, verabschieden. Swetlana Kusnezowa unterlag der Polin Agnieszka Radwanska mit 3:6,4:6 recht glatt, Maria Kirilenko besiegte ihre Landsfrau Anna Tschakwetadse nach verlorenem Tie-Break in Satz eins auch noch klar mit 6:7,6:1,6:2.

Federer wird zum Marathon-Mann
Das Highlight des Tages war aber der atemberaubende Schlagabtausch zwischen Federer und Tipsarevic. Erst im 17. Game des fünften Satzes gelang Federer das ersehnte Break gegen den überraschend konstant auf Top-Level spielenden Tipsarevic, der nur 49. der Weltrangliste ist.

Davor wurde schon fleißig herausgesucht: Wann denn Federer zuletzt nicht das Finale eines Grand-Slam-Turniers erreicht hatte (Paris 2005/Aus im Halbfinale), wann er zuletzt bei einem Major gegen einen Ungesetzten verloren hat (Wimbledon 2002/1. Runde) und wann er zuletzt eine Fünfsatz-Partie gespielt hat (Wimbledon-Finale 2007). Denn Tipsarevic stand wirklich knapp vor der Sensation. Am Ende blieb aber der Champion auf Kurs in Richtung 13. Grand-Slam-Titel.

"...wenn das Talent allein nicht mehr reicht"
"Das war so ein Tag, an dem man kämpfen muss, wenn das Talent allein nicht mehr reicht. Ich bin froh, dass ich wieder einmal kämpfen musste um den Sieg", meinte Roger Federer, bei dem dies aber keinesfalls überheblich verstanden werden darf. Der Schweizer ist schon eine Ikone des Tennis, aber nach wie vor bescheidener als so mancher weit hinter ihm liegende Spieler. "Es war großartig. Ein bisschen ungewöhnlich für mich, ein Fünfsatz-Match in einer dritten Runde zu haben. Er hat fantastisches Tennis über das gesamte Match gespielt, ich war von seinem Spiel beeindruckt", lobte Federer den Serben.

Ob es ein Nachteil für ihn gewesen sei, schon so früh über die volle Distanz gehen zu müssen, wusste der Schweizer freilich nicht. "Das werden wir sehen. Aber ehrlich gesagt, ist es gut für mich, von Zeit zu Zeit fünf Sätze zu spielen. Es gibt mir sehr viel Informationen, wie ich mich fühle, und woran ich vielleicht immer noch zu arbeiten habe", erklärte der Weltranglisten-Primus, ganz der Analytiker.

Dass er nun gegen einen neuen Namen schon an den Rand einer Niederlage gebracht wurde, beunruhigt ihn nicht. "Es kommen wieder mehr Junge nach oben, gleichzeitig fallen wieder die Älteren etwas ab." Eines ist Federer aber klar: "Das Jahr wird nicht einfach." Nächste Hürde für den Schweizer ist Tomas Berdych, der Erstrundensieger über Werner Eschauer.

Auch Blake muss kämpfen
Nicht einfach hatte es zuvor auch James Blake gehabt, der beinahe wie sein US-Landsmann Andy Roddick frühzeitig zum Zuschauer geworden wäre. Der US-Amerikaner lag gegen Sebastien Grosjan (FRA) schon mit 4:6,2:6 zurück, nach einem 6:0 im dritten Satz, sogar noch 1:4 im vierten (mit zwei Breaks des Franzosen) hinten, kämpfte sich aber noch mit 7:6,6:2 ins Achtelfinale. Wo er nun auf Cilic trifft und sich noch etwas länger auf den Davis Cup in Wien "einschlagen" kann.

Leichtes Spiel hatte Novak Djokovic. Der als Nummer 3 gesetzte Serbe, der die Pressekonferenz verschob, damit er den fünften Satz seines Landsmanns Tipsarevic anschauen konnte, fegte Sam Querrey (USA) 6:3,6:1,6:3 vom Court. Und auch seine Landsfrau Ana Ivanovic ließ sich von Katarina Srebotnik (SLO) auf dem Weg ins Achtelfinale nicht stoppen.

(apa/red)

19.1.2008 15:30