Dienstag, 15. Jänner 2008

Schönfelder fand es einfach nur brutal:
Büchel fährt im Training "Streckenrekord"

  • "Kitzbühel will uns jetzt zeigen, was schwierig ist"
  • Schönfelders Debüt: "Es war brutal, habe die Ehre"

Rainer Schönfelder hat seine Abfahrtspremiere auf der legendären Streif "gefeiert". Von der frisch entdeckten großen Liebe zur Abfahrt war aber nach dem ersten Ritt über Mausefalle, Steilhang und Co. nicht viel zu sehen bzw. zu hören. "Es war brutal, habe die Ehre", gestand der Kärntner,

Zähneklappern gab es nach Ansicht Schönfelders aber ganz sicher nicht nur bei ihm. "Ich habe beim Fahren einige schwarze Punkte im Schnee gesehen, das waren sicher die Plomben meiner Mitstreiter", war Schönfelder dann im Ziel schon wieder bestens gelaunt. Der Respekt vor der Streif war beim 30-jährigen Debütanten nicht zu überhören: "Ich habe gedacht, dass das nur ein Mythos ist. Aber heute habe ich bei jeder Kurve am eigenen Leib gespürt, wie brutal die Streif wirklich ist."

Dementsprechend vorsichtig ist es Schönfelder auch angegangen. "Das erste Mal ist immer schwer. Ich habe bei jeder Kurve bewusst gebremst. Auch an Stellen, wo ich nicht bremsen hätte müssen. Jetzt werde ich meine Lehren daraus ziehen und reagieren", so Schönfelder vor den weiteren Trainings. Dass der einstige Slalom-Spezialist trotz der "Besichtigungsfahrt" nur 4,84 Sekunden Rückstand hatte, zeigt, wie viel Abfahrtspotenzial in ihm steckt.

Albrecht findet Kraftausdrücke
Auch für den Schweizer Daniel Albrecht, den Vierten im Gesamtweltcup, war es die erste Streiffahrt. "Leck mich am Arsch! Es ist schon happig. Das ist das Eindrücklichste, das ist je auf einer Skipiste erlebt habe." Sein Teamkollege Marc Berthod schwang überhaupt nach der Seidlalm ab: "Das war's. Ich habe momentan einfach nicht das Vertrauen, dass ich da runterfahre."

Büchels "Streckenrekord"
Mit 334,19 Sekunden Rückstand auf den Schweizer Didier Cuche ist Marco Büchel im ersten Abfahrtstraining auf der Streif ins Ziel gekommen. "7:32 Minuten, das ist Streckenrekord", scherzte der Liechtensteiner im Zielraum. Er war nach dem Sturz des vor ihm gestarteten Italieners Werner Heel abgewunken worden, hatte aber auf einen Neustart verzichtet und setzte nach einer Pause die Trainingsfahrt fort.

"Der Huj hat mir angeboten, dass ich mit dem Skidoo rauf und noch mal fahren kann, aber ich habe abgelehnt. Zweimal muss ich da an einem Tag nicht runter", erzählte Büchel von seinem Gespräch mit FIS-Renndirektor Günter Hujara. "So hab ich halt oben fünf Minuten Hocke gemacht, bis ich weiterfahren konnte", prahlte der 36-Jährigen mit seiner Kondition. Steilhang-Ausfahrt hatte er die Gelbe Flagge gesehen. "Die obere Passage habe ich ein bissl Gas gegeben, wichtig war dann Hausberg und ins Ziel. Den Mittelteil kann ich mir ja in den nächsten Tagen noch genau anschauen."

Büchel, der Italiener
Genauer ansehen sollten sich auch die Helfer auf der Streif die echten Helden des Alpinsports. Ein Marco Büchel bei der Ausweiskontrolle? "Ja, ich bin hier kein Prominenter. Am Start hat mich heute einer nach meinem Ausweis gefragt. Ich habe ihn hergezeigt, und er meinte: Ah, der Büchel, ein Italiener! Ich habe geantwortet: Du schaust viele Weltcuprennen, was? Und er sagte: Ja, sicher!"

Über solche Dinge kann Büchel herzhaft lachen, auf der Streif hatte er allerdings noch nicht so richtig großen Spaß. "Du hast keine Zeit, nervös vor dem Rennfahren zu sein, weil du da herunter ans pure Überleben denkst. Die Streif zeigt ihre Zähne, unruhig, eisig, sehr schwierig. In Bormio haben wir gesagt, das ist die schwierigste Abfahrt des Winters. Kitzbühel will uns jetzt zeigen, was schwierig ist."
(apa/red)

15.1.2008 15:34