Dienstag, 15. Jänner 2008

CO2-Bilanz 2006 fällt wieder positiv aus: Nach Rekordhoch 2005 Rückgang erreicht

  • 91,1 Millionen Tonnen Treibhausgase produziert
  • SPÖ & Grüne wollen keine Entwarnung geben Trendwende noch Entwarnung"

Nach dem Rekordhoch von 2005 zeigt sich in der Klimabilanz 2006 ein leichter Rückgang: Die Treibhausgasausstöße sanken von 93,2 auf 91,1 Millionen Tonnen, gab das Umweltministerium bekannt. Dem Erreichen des Kyoto-Protokolls ist man damit einen Schritt näher. Die größten Emittenten sind weiterhin die Industrie und der Verkehr.

Rechnet man die bereits verplanten Zukäufe von sogenannten grünen Zertifikaten aus anderen Staaten und den Emissionshandel der Industrie ein, ist für die Zielperiode des Kyoto-Protokolls noch eine Lücke von elf Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten zu schließen. Im Jahr 2005 waren es noch 12,2 Mio. Tonnen gewesen.

Industrie und Verkehr
25,3 Mio. Tonnen Treibhausgase wurden von der Insdustrie verursacht, 23,3 Mio. Tonnen vom Verkehr, wobei dieser Sektor 2006 um 1,2 Mio. Tonnen CO2 weniger verursachte als noch im Jahr 2005. Zu Gute gekommen ist der Klimabilanz u.a. der warme Winter: Raumwärme und sonstiger Kleinverbrauch machten mit 14,2 Mio. Tonnen um 0,6 Mio. Tonnen weniger aus als im Jahr davor. Gleiches gilt für den Sektor Energie: Hier fiel der Ausstoß um 0,7 Mio. Tonnen auf 15,5 Mio. Tonnen CO2- Äquivalente.

Gesetzte Maßnahmen greifen
Zufrieden zeigte sich Umweltminister Pröll: "Die Kyoto-Lücke ist auf elf Millionen Tonnen reduziert", sagte er. "Die Daten zeigen, dass Maßnahmen, die gesetzt wurden, greifen." Allerdings sehe man auch deutlich, wo noch Handlungsbedarf bestehe. Noch keinen Niederschlag habe in den 2006er Zahlen die MÖSt.-Erhöhung und die weitere Stufe der Biospritbeimischung gefunden.

Hoher Handlungsbedarf
Für Österreich wird die Zeit zur Erreichung des Kyoto-Zieles immer knapper: Heuer beginnt der fünfjährige Durchrechnungszeitraum für die Erreichung der Vorgaben. Was in einem Jahr zu wenig erreicht wird, muss in den Folgejahren zusätzlich eingespart werden. Staaten, die ein großes Loch in der Kyoto-Bilanz haben, sind unter Umständen 2012 mit einem riesigen Fehlbetrag konfrontiert.

Unzufriedenheit seitens Grünen und SPÖ
Keinen Grund zum Aufatmen angesichts des Rückgangs der Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2006 sehen SPÖ und Grüne. "Eine Momentaufnahme ist kein Trend", meinte SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr. "Von einer Trendwende - angesichts der weiterhin klaffenden Lücke zur Erreichung des Kyoto-Ziel - kann keinesfalls gesprochen werden", erklärte die Vizechefin der Grünen, Eva Glawischnig.

Klimaschutzmaßnahmen in Frage gestellt
Fraglich sei, ob beim Klima-Problemkind Verkehr der Rückgang der Emissionen nachhaltig sei, meinte Bayr. Die rückläufigen Werte für private Haushalte sind ihrer Ansicht nach eher auf den milden Winter und der dadurch bedingten niedrigeren Zahl an Heiztagen zurückzuführen als auf ein Emporschnellen von Klimaschutzmaßnahmen im Wohnbau.

Keine Rede von Trendwende
"Die österreichischen Treibhausgasemissionen bewegen sich seit 2003 im Zickzack-Kurs", erklärte Glawischnig, die davon ausgeht, dass zur Erreichung des Kyoto-Ziels noch 13,4 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden müssen. "Die Emissionen müssten also 2007 und 2008 um jeweils 6,7 Millionen Tonnen reduziert werden, was dem Dreifachen der jetzt als Trendwende bezeichneten Reduktion entspricht", so die Grün-Politikerin. Den Rückgang im Bereich Raumwärme sieht sie nicht als nachhaltig, ein harter Winter könnte die Emissionen wieder nach oben schnellen lassen.

(apa/red)

15.1.2008 15:59