Samstag, 19. Jänner 2008

Blutiger Beginn des "Ashura"-Festes: Mehr als 70 Tote bei Zusammenstößen im Südirak

  • Kämpfe: Schiitische Sekte gegen Sicherheitskräfte
  • Kerbala: Über zwei Millionen Pilger bei Ahsura-Fest

Im Irak sind bei Kämpfen zwischen radikalen Schiiten und Sicherheitskräften anlässlich des Ashura-Festes mehr als 70 Menschen getötet worden. Dutzende Menschen wurden Polizeiangaben zufolge bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen im Süden des Landes verletzt. In der Pilgerstadt Kerbala kamen mehr als zwei Millionen schiitische Muslime zusammen, um des Märtyrertodes des Imams und Mohammed-Enkels Hussein im Jahr 680 zu gedenken.

Die Feierlichkeiten, bei denen sich schwarzgekleidete Gläubige mit Schlägen auf Brust und Rücken geißeln, verliefen nach Angaben der Behörden ohne Zwischenfälle. Provinzgouverneur Akil al-Khasali erklärte, die Prozession sei friedlich verlaufen. Um Terroranschlägen vorzubeugen, hatten die Behörden in elf irakischen Provinzen Fahrverbote verhängt.

70 Tote bei Kämpfen
Bei den Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und der radikalen Schiiten-Bewegung Soldaten des Himmels ("Jund al-Samaa") kamen zuvor allein der südirakischen Stadt Nassiriya mindestens 50 Menschen ums Leben. In der Großstadt Basra wurden 20 Kämpfer derselben Gruppierung getötet. Weitere 35 Militante wurden festgenommen, wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Iraq ("Stimme des Irak) am Samstag meldete.

Auch der Anführer der "Soldaten des Himmels" in Basra, Abu Mustafa al-Ansari, wurde den Angaben zufolge von der Polizei getötet. Der Treffpunkt der Extremisten in der Stadt sei zerstört worden. Die 2007 entstandene Gruppe strebt mit Gewalt die Kontrolle über die 180 Kilometer südlich von Bagdad gelegene schiitische Pilgerstadt Najaf an.

Bombenanschläge in nördlichen Landesteilen
Bei Bombenanschlägen in den nördlichen Landesteilen wurden mindestens fünf Menschen getötet und neun weitere verletzt. Die Explosionen ereigneten sich laut Aswat al-Iraq in der Großstadt Kirkuk und der ebenfalls im Norden gelegenen Stadt Bakuba. Bei den Schiiten-Feiern in Kerbala bezogen mehr als 3000 Soldaten Stellung, um die Prozessionen der Gläubigen zu schützen. US- und irakische Hubschrauber sicherten den Ort aus der Luft.

Sunnitische Extremisten haben seit 2003 immer wieder Anschläge während des Ashura-Festes verübt. Dabei kamen hunderte Menschen ums Leben. Das Fest markiert den Abschluss einer alljährlichen Trauerphase für den Enkel des Propheten Mohammed, Imam Hussein, der im Jahre 680 in Kerbala getötet wurde und dort begraben liegt.

(apa/red)

19.1.2008 16:20