Mittwoch, 16. Jänner 2008

Nordwesten Pakistans leidet unter Taliban- Angriffen: Dutzende Opfer sind zu beklagen

  • 100e Taliban-Anhänger stürmten Paramilitär-Lager
  • UN fürchtet um Befriedungsversuche in Afghanistan

Bei schweren Kämpfen zwischen islamistischen Aufständischen und Regierungseinheiten sind im Nordwesten Pakistans Dutzende Menschen getötet worden. Mehrere hundert schwer bewaffnete Taliban-Anhänger stürmten einen paramilitärischen Stützpunkt in der Stammesregion Süd-Waziristan im Grenzgebiet zu Afghanistan, wie die pakistanische Armee mitteilte. Bei den schweren Gefechten um das Fort Sararogha wurden nach Armeeangaben 40 Angreifer und sieben Soldaten getötet.

Das Fort sei von den Aufständischen eingenommen worden, sagte Militärsprecher Generalmajor Athar Abbas in Islamabad. Rund 15 Soldaten seien geflohen, das Schicksal von weiteren 20 sei unbekannt. Nachdem ein erster Angriff von 200 Militanten zurückgeschlagen worden sei, hätte eine noch größere Zahl von Islamisten die Mauern des Stützpunkts mit Raketen beschossen und zum Einsturz gebracht. Die Armee bereite einen Gegenschlag vor, um den Stützpunkt zurückzuerobern, sagte der Sprecher. Pro-Taliban-Aufständische erklärten dagegen, sie hätten bei dem Gefecht 30 Regierungssoldaten getötet, wie der pakistanische Nachrichtensender Aaj berichtete.

Der Rebellenangriff ereignete sich, nachdem Sicherheitskräfte mutmaßliche Verstecke des Rebellenführers Baitullah Mehsud in dem Gebiet beschossen und dabei drei Menschen getötet hatten. Süd-Waziristan gilt als Rückzugsgebiet der afghanischen Taliban. Bei einem Überfall militanter Stammeskämpfer auf einen Konvoi paramilitärischer Truppen waren vor zwei Tagen dreißig Menschen ums Leben gekommen.

Stark umkämpftes Swat-Tal
Seit Monaten umkämpft ist das Swat-Tal, wo Anhänger des radikalen Predigers Maulana Fazlullah eine theokratische Herrschaft nach Taliban-Vorbild errichten wollten. Ende November hatte die Armee nach eigenen Angaben das Tal mit einer Großoffensive zurückerobert und Fazlullah vertrieben. Angriffe auf Einrichtungen der Sicherheitskräfte fordern im Swat-Tal jedoch weiterhin Opfer. Fazlullahs Anhänger hatten angekündigt, ihren Kampf gegen das Regime von Staatschef Pervez Musharraf aus dem Untergrund fortzusetzen. Zivilisten wurden dazu aufgerufen, sich von Einrichtungen der Sicherheitskräfte fernzuhalten, weil diese angegriffen würden. Fazlullah selbst hatte zum Heiligen Krieg gegen die Armee aufgerufen.

Nachbarland Afghanistan beeinträchtigt
Während die Vereinten Nationen wegen der Unruhen im Nachbarland Pakistan Rückschläge bei den Befriedungsversuchen in Afghanistan befürchten und die Taliban-Aufständischen weiter in der Offensive sind, plant die deutsche Bundeswehr die Entsendung eines zusätzlichen Kampfverbandes nach Nordafghanistan mit bis zu 250 Mann. "Diese Aufgabe wird im Sommer auf Deutschland zukommen", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold. Damit werde eine "neue Qualität" des Bundeswehr-Engagements in Afghanistan erreicht. Bisher seien im Raum Mazar-i-Sharif nur "Stabilisierungstruppen", aber keine "Kampfverbände" stationiert. Letztere könnten "auch zur Jagd von Terroristen" eingesetzt werden. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hatte eine Aufstockung der Truppen in Afghanistan gefordert. Die Regierung des Präsidenten Hamid Karzai in Kabul kann sich derzeit nur mit Hilfe von 41.000 ausländischen Soldaten halten.

Neuer Afghanistan-Beauftragter
Neuer Afghanistan-Beauftragter der Vereinten Nationen wird offenbar der Brite Paddy Ashdown. Darauf habe sich der 66-jährige liberale Politiker mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verständigt, hieß es. Ashdown folgt auf den Deutschen Tom Koenigs als Sonderbeauftragter für die "United Nations Assistance Mission in Afghanistan" (UNAMA). Koenigs hatte kürzlich gewarnt, dass mit einer Destabilisierung der Lage in Pakistan der Frieden in Afghanistan zusätzlich in Gefahr gerate. (APA/red)

16.1.2008 14:29