Mittwoch, 16. Jänner 2008

Zusätzliche deutsche Soldaten sollen nach
Afghanistan: Jagd auf Terroristen notwendig

  • Zur Zeit Kampfverband von bis zu 250 Mann geplant
  • Gefahr besteht, dass Taliban in Afghanistan gewinnt

Während die Vereinten Nationen wegen der Unruhen im Nachbarland Pakistan Rückschläge bei den Befriedungsversuchen in Afghanistan befürchten und die Taliban-Aufständischen weiter in der Offensive sind, plant die deutsche Bundeswehr die Entsendung eines zusätzlichen Kampfverbandes nach Nordafghanistan mit bis zu 250 Mann. "Diese Aufgabe wird im Sommer auf Deutschland zukommen", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, der "Passauer Neuen Presse".

Damit werde eine "neue Qualität" des Bundeswehr-Engagements in Afghanistan erreicht. Bisher seien im Raum Mazar-i-Sharif nur "Stabilisierungstruppen", aber keine "Kampfverbände" stationiert. Letztere könnten "auch zur Jagd von Terroristen" eingesetzt werden.

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hatte eine Aufstockung der Truppen in Afghanistan gefordert. Die Regierung des Präsidenten Hamid Karzai in Kabul kann sich derzeit nur mit Hilfe von 41.000 ausländischen Soldaten halten. Großbritannien hatte von den NATO-Partnern, insbesondere Deutschland, ein stärkeres militärisches Engagement in Afghanistan gefordert. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei einem Kurzbesuch in Afghanistan entgegen der US-Forderung klargestellt, dass keine deutschen Truppen in den besonders umkämpften Süden des Landes geschickt werden sollen.

Taliban überzeugt afghanische Bevölkerung
Der deutsche Stabschef der NATO-geführten Schutztruppe ISAF, General Bruno Kasdorf, hatte über fehlende Unterstützung der Militärmission geklagt und Motivationsprobleme bei den deutschen Soldaten angedeutet. Mittlerweile bestehe "ganz konkret" die Gefahr, dass die afghanische Bevölkerung zu den Taliban überlaufe, hatte Kasdorf in einem Interview erklärt. "Wenn die Bevölkerung irgendwann gegen uns ist, ist es besser, wir packen unsere Sachen und gehen nach Hause. Dann haben wir keine Chance mehr, dieses Land in die Reihe zu bekommen." (APA/red)

16.1.2008 08:38