Dienstag, 15. Jänner 2008

Bei Neapels Müllkrise ist kein Ende in Sicht:
Wieder Bürgerproteste & Straßenblockaden

  • Stinkende Müllberge seit fast einem Monat auf Straßen
  • Seit Weihnachten "Zwangsferien" für 100.000 Schüler

In der süditalienischen Region Kampanien und in ihrer Hauptstadt Neapel ist es erneut zu Bürgerprotesten und Straßenblockaden wegen der Müllkrise in Neapel gekommen. In Quarto, im westlichen Teil Neapels, demonstrierten aufgebrachte Bürger gegen die stinkenden Müllberge, die sich seit fast einem Monat auf den Straßen türmen.

Zu Protesten kam es auch vor dem Hauptquartier der Polizei und dem Stadtrat. Einige Gruppen von Demonstranten blockierten den Zugang zur Autobahn, was zu erheblichen Verkehrsproblemen führte. In Neapel gab es zusätzlich Proteste wegen der seit Weihnachten gesperrten Schulen. Über 100.000 Schüler in mehreren Vierteln der Stadt sind zu Hause, weil die Schulen aus hygienischen Gründen gesperrt blieben. Berge von Unrat türmen sich vor den Eingängen vieler Schulen.

Mülltransporte nach Norditalien
Der von der Regierung mit der Lösung der Notstandslage beauftragte Sonderkommissar, Gianni De Gennaro, führte eine intensive Gesprächsrunde mit den Lokalbehörden. Primäres Ziel der italienischen Regierung ist die Räumung des Unrats auf den Straßen Kampaniens. Soldaten waren im Einsatz, um den Abfall abzutransportieren. Mülltransporte fuhren in Richtung Deutschland und Norditalien ab.

Mafia und chaotische Bürokratie schuld
Die Müllkrise im Großraum Neapel dauert schon seit etwa 14 Jahren an. Die bestehenden Deponien sind überfüllt, betroffene Gemeinden blockieren die Errichtung neuer. Mitglieder der Camorra, dem neapolitanischen Arm der Mafia, unterwanderten nach Angaben der Behörden die Stadtreinigung. Außerdem soll eine chaotische Bürokratie für die Krise mitverantwortlich sein.

(apa/red)

15.1.2008 13:02