Montag, 14. Jänner 2008

Ein halbes Jahrhundert U-Haft in Sri-Lanka: 80-Jähriger einfach im Gefängnis vergessen

  • Bürokratie-Opfer gegen Kaution jetzt auf freiem Fuß
  • Gericht entschuldigt sich für "herzergreifenden Vorfall"

Nach 50 Jahren in U-Haft durfte ein in Sri Lanka inhaftierter Mann das Gefängnis wieder verlassen. Der inzwischen 80-Jährige D. P. James sei ein Opfer der Bürokratie, sagte sein Anwalt. James sei seiner Jugend beraubt worden und nun ein ergrauter Mann mit schwindendem Augenlicht.

Demnach war er im August 1958 verhaftet worden, nachdem er seinen Vater mit dem Messer verletzt hatte. Nach einem anschließenden Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kam er zurück ins Gefängnis, wo die Justizbehörden ihn offensichtlich vergaßen. Während der 50 Jahre dauernden Haft stand James nie vor einem Richter.

Kein einziges Mal beschwert
Der aus dem kleinen, 100 Kilometer von der Hauptstadt Colombo entfernt gelegenen Dorf Ibbagamuwa stammende James habe sich aus Unkenntnis über die Gesetzeslage nie über die lange Inhaftierung beschwert, sagte der Anwalt. Der Fall fiel der Gefängnisleitung erst auf, nachdem der Greis im vergangenen Monat im Krankenhaus behandelt werden musste. Nach Prüfung der Unterlagen setzte ein Gericht den Langzeithäftling gegen Kaution auf freien Fuß.

Schwache Entschuldigung
Ein Sprecher des Gerichts entschuldigte sich für diesen "seltenen, herzergreifenden Vorfall". Der Anwalt des Bürokratie-Opfers kündigte an, eine Entschädigung von 1,5 Millionen Rupien erstreiten zu wollen. Das entspräche umgerechnet 180 Euro für jedes Jahr hinter Gittern.

(apa/red)

14.1.2008 16:14