Montag, 14. Jänner 2008

Indisch-chinesiches Gipfeltreffen in Peking:
Singh fordert Abbau von Handelsbarrieren

  • Politische und wirtschaftliche Kooperation stärken
  • Beziehung seit Grenzkrieg im Jahr 1962 belastet

Der indische Premierminister Manmohan Singh hat China zu einem Abbau von Handelsbarrieren aufgefordert. Zum Auftakt seines ersten Besuches in der Volksrepublik seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren, plädierte er in Peking für faire Rahmenbedingungen. Dabei nannte er vor Unternehmensvertretern unter anderem den Schutz des geistigen Eigentums und "marktbezogene Wechselkurse".

Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao steht der Ausbau der politischen und wirtschaftlichen Kooperation zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Der Handel zwischen China und Indien stieg im vergangenen Jahr auf 3,42 Milliarden US-Dollar.

Die indisch-chinesischen Beziehungen sind durch einen Grenzkrieg 1962, bis heute fortbestehende gegenseitige Gebietsansprüche sowie die privilegierten Beziehungen Chinas zu Pakistan belastet. Die chinesische Regierung hatte ihre Bereitschaft erklärt, weitere Verhandlungen über Grenzfragen zu führen. Peking beansprucht den knapp 90.000 Quadratkilometer großen nordostindischen Unionsstaat Arunachal Pradesh. Indien fordert seinerseits den knapp halb so großen chinesischen Teil von Kaschmir. Die beiden Mächte führen seit 2003 Gespräche, um die Konflikte an der 4000 Kilometer langen gemeinsamen Grenze zu lösen.

"Inspiration" für Indien
Indiens Premier war zu einem dreitägigen offiziellen Besuch in der chinesischen Hauptstadt eingetroffen und hatte Einrichtungen für die Olympischen Spiele 2008 in Peking besucht. Die chinesischen Vorbereitungen für das Sportereignis bezeichnete er laut Pekinger Agentur Xinhua als "Inspiration" für Indien. Es ist der erste China-Besuch von Manmohan Singh seit seinem Amtsantritt 2004 und der erste eines indischen Regierungschefs seit 2003. Der Premier wird von einer ranghohen Wirtschaftsdelegation begleitet. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao hatte Indien 2006 besucht.

Indiens Handelsminister Kamal Nath verlangte von seinem chinesischen Kollegen Chen Deming, den Import von Obst und Gemüse aus Indien zu erleichtern. Als typisches Handelshemmnis jenseits von Zöllen und Gebühren nannte er das langwierige chinesische Zulassungsverfahren für Pharmaprodukte, das den Import bremse. Die zuletzt auf knapp 40 Milliarden Dollar gesteigerte Handelsbilanz neige sich zunehmend zu Chinas Gunsten, kritisierte Nath.

China beklagt sich
China beklagt sich seinerseits über Einschränkungen für direkte Investitionen in Indien. Das Handelsministerium forderte chinesische Unternehmen aber auf, Importe aus Indien zu verstärken. Der gegenseitige Handel werde sicherlich bald ausgeglichener werden, hieß es in einer Erklärung. (apa/red)

14.1.2008 13:55