Prozess gegen mutmaßlichen Würger:
Angeklagter bestreitete Ipswich-Morde
- Leichen von fünf Prostituierten in England gefunden
- Rund 500 Beamte arbeiteten an der Ergreifung

Mehr als ein Jahr nach den aufsehenerregenden Morden an fünf Prostituierten in England hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Der 49-jährige Steve W. steht in der ostenglischen Stadt Ipswich vor Gericht, wo er die Taten begangen haben soll. Allerdings hat der frühere Beislwirt und Gabelstaplerfahrer bisher den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, er habe die Frauen erwürgt und dann nackt in der Umgebung von Ipswich abgelegt.
Die fünf Opfer im Alter zwischen 19 und 29 Jahren waren drogensüchtig und verdienten ihr Geld auf dem Straßenstrich im Rotlichtviertel der Stadt. Die Ankunft des Mannes, den britische Medien als "Würger von Ipswich" bezeichneten, wurde von einem Großaufgebot an Reportern und Fotografen begleitet. Der Angeklagte, der in einem dunkeln Anzug mit weißem Hemd und dunkler Krawatte erschien und von Sicherheitsbeamten flankiert wurde, wirkte äußerlich ruhig.
Mehr als nur ein böser Traum
Am ersten Verhandlungstag musste W., der einst auch als Steward auf dem Luxus-Kreuzfahrtschiff "Queen Elizabeth II" tätig war, zunächst nur seine Identität bestätigen. Der Abstimmung seines Anwaltes mit dem Richter und dem Staatsanwalt über den weiteren organisatorischen Verlauf des Prozesses hörte er anscheinend gelassen zu. In der Untersuchungshaft hatte W. seine Unschuld in einem dreiseitigen Brief beteuert. Er bete, hieß es darin unter anderem, dass er eines Tages aufwache und erkenne, dass die Vorwürfe gegen ihn und das Verfahren "nur ein böser Traum sind".
Lebenslange Haft in Aussicht
Über Schuld oder Unschuld müssen am Ende des Prozesses Geschworene entscheiden. Die Staatsanwaltschaft strebt aller Voraussicht nach eine lebenslange Haftstrafe an. Sie will beweisen, dass W. ungeachtet seiner Unschuldsbeteuerung der Mann war, der im Spätherbst 2006 Gemma Adams (25), Tania Nicol (19), Anneli Alderton (24), Paula Clennell (24) und Annette Nicholls (29) brutal ermordet hat. Zu den möglichen Motiven haben sich die Ankläger bisher nicht geäußert.
Hilfsorganisationen reagieren
Der Fall hatte in Großbritannien eine politische Debatte über das Schicksal von Prostituierten ausgelöst, die ihren Lebensunterhalt im Königreich weitgehend illegal bestreiten und meist völlig schutzlos sind. Nach den Morden hatten mehrere Hilfsorganisationen den Prostituierten in Ipswich Unterstützung bei der Überwindung von Drogenproblemen und der Suche nach einer legalen Beschäftigung angeboten. Viele von ihnen nutzten diese Möglichkeiten, so dass im einstigen Rotlichtviertel der Stadt heute nur noch selten Frauen der Prostitution nachgehen.
(apa/red)
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