Montag, 14. Jänner 2008

Konservativer Adelsspross gestorben:
ÖVP-Politiker Vincenz Liechtenstein ist tot

  • Früherer steirischer Nationalrat wurde 58 Jahre alt

Der langjährige steirische ÖVP-Politiker Vincenz Liechtenstein (58) ist in seinem Heimathaus nördlich von Graz völlig unerwartet gestorben. Landeshauptmannstellvertreter und VP-Obmann Hermann Schützenhöfer sprach von "tiefer Trauer und einem großen Verlust für die steirische Volkspartei". Man verliere mit Liechtenstein einen "vorbildlichen Volksvertreter. Er war ein glaubhafter und kämpferischer Vertreter der christlich-sozialen Politik im Lande". Das Mitgefühl gelte vor allem seinen Angehörigen.

Liechtenstein wurde am 30. Juli 1950 in Graz geboren, nach seiner Schulzeit in der Landeshauptstadt begann er ein Studium der Rechte. Er war 1974 Mitbegründer der JES-Studenteninitiative, nach seiner Promotion als Doktor der Rechte 1975 leistete er seinen Präsenzdienst und war danach in den USA und Frankreich tätig. Der Steirer - oft im Trachtenanzug unterwegs - war von Juni 1988 bis Jänner 1996 und von April 1997 bis Mai 2004 Mitglied des Bundesrates, danach saß er als Abgeordneter bis Ende Oktober 2006 im Nationalrat.

Den Abschied aus dem Parlament wollte Liechtenstein nicht widerspruchslos hinnehmen. Da er für die Wahl 2006 auf einen aussichtslosen Listenplatz gesetzt war, versuchte er - allerdings erfolglos - einen Vorzugsstimmenwahlkampf. Auch danach kämpfte Liechtenstein weiter für seine streng konservativen Werte. So startete er im September 2007 - nach Bekanntwerden ihrer zweiten Scheidung - eine Kampagne gegen die ÖVP-Familienministerin Andrea Kdolsky.

Liechtenstein - der in Waldbach nördlich von Graz den großen Forstbetrieb der Familie führte - bekleidete nicht nur Funktionen in der ÖVP - Mitglied des Landesvorstandes des Steirischen Bauernbundes und des Katholischen Familienverbandes -, sondern auch in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und den Vorsitz des Universitätsbeirates der Imadec University.

Auch die ÖVP-Bundespartei würdigte den unerwartet gestorbenen früheren ÖVP-Abg. Vincenz Liechtenstein. Klubobmann Wolfgang Schüssel nannte den Steirer einen "wertetreuen Politiker" und "herausragenden Menschen". Sein "standhaftes Eintreten für eine christlich-soziale Gesellschaft" lebe weiter. Mit seinem persönlichen Engagement und seiner Geradlinigkeit werde Liechtenstein ein "unvergessliches Vorbild bleiben", zeigte sich Schüssel in einer Aussendung "zutiefst betroffen".

Für ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethons ist Liechtensteins "viel zu frühes Ableben ein großer Verlust für die Österreichische Volkspartei". "Vincenz Liechtenstein war ein wertkonservativer Politiker, der immer zu seinen Überzeugungen gestanden ist, auch wenn sie sich abseits des Mainstreams bewegten. Gleichzeitig war er aber auch ein Mensch, der sich für die Jugend aufopferte", würdigte er Liechtenstein - und attestierte ihm, wie Schüssel auch, dass er "die katholische Soziallehre verinnerlicht hatte".

(APA/red)

14.1.2008 19:34