Freitag, 11. Jänner 2008

Kleingedrucktes gibt es auch im Internet:
AK warnt vor vermeintlichem Gratis-Angebot

  • Rund 1.000 Konsumenten in Österreich getäuscht
  • Experten: Website vor Registrierung genau prüfen

Die Arbeiterkammer warnt Konsumenten vor der "Internetfalle": Vermeintliche Gratis-Angebote wie SMS oder Informationen entpuppen sich oft als kostenpflichtig. Webseiten mit versteckten Preisangaben sind unzulässig, weil sie irreführend sind. Preis und Aufklärung über das Rücktrittsrecht müssen klar angegeben sein, das habe im vorigen Dezember das Oberlandesgericht Wien in zweiter Instanz der AK bestätigt, teilte die Arbeiterkammer am Freitag mit. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die AK hatte Anfang 2007 eine Klage gegen IS Internet Service AG, vormals Xentria, eingebracht. Der Anbieter warb auf mehreren Webseiten mit vermeintlich kostenlosen SMS und Lebensprognosen. Die Seiten entpuppten sich aber als Kostenfallen. Die AK kündigt weitere Klagen an. In den Konsumentenberatungen suchen wegen der angeblichen Gratisangebote im Internet bereits rund 1.000 Konsumenten österreichweit Rat und Hilfe.

Auch Routiniers nicht gefeit
Gratis-SMS, Hausaufgaben, Vornamen, Wissensspiele, Infos über Ausbildungen und Jobs oder Sternzeichen - in die Falle vermeintlicher Gratis-Angebote tappen besonders Jugendliche. Nach Registrierung auf der Internetseite wird versprochen, das Angebot sofort nutzen zu können. Wer einmal seine Daten abgesendet hat, wird auch schon zur Kassa gebeten. Die Preisangaben verstecken sich oft im Kleingedruckten. "Selbst geübte Surfer übersehen die geschickt platzierten Preisangaben", sagt AK-Konsumentenschützer Harald Glatz.

Drohgebärden schüchtern User ein
"Wer nicht zahlt, dem wird sofort mit Mehrkosten, Anwaltsschreiben und Gerichtsverfahren gedroht. Das schüchtert sicherlich viele Konsumenten ein, und sie zahlen", erläutert Glatz. Aber selbst wer aus Verunsicherung bezahlt, hat nichts bereinigt. Denn ein Jahr später geht es wieder von vorne los, wenn es sich um Abo-Dienste für zwei Jahre handelt. "Unseriöse Anbieter machen so schnelles Geld, die Webadressen ändern sich schnell, oder es wird plötzlich auf andere Seiten umgeleitet", sagt Glatz.

Erst lesen, dann registrieren
Tipps der AK-Konsumentenschützer: Registrieren Sie sich nicht vorschnell auf Webseiten mit Angeboten und Informationen - solche Seiten sind oft nur am Tag der Registrierung gratis, dann verlängern sie sich in einen teuren Abo-Vertrag. Lesen Sie die gesamte Webseite und die Geschäftsbedingungen, bevor Sie sich auf Angebote oder Tests einlassen, denn das Kleingedruckte gibt es auch im Internet. Sorgfältiger Umgang mit den eigenen Daten wie Name, Adresse, Telefon wird empfohlen, auch sollte man unerklärbare Rechnungen nicht gleich zahlen, sondern sich im Zweifelsfall an eine Konsumentenberatungsstelle wenden. Wer sich auf einer vermeintlichen Gratisseite angemeldet hat oder eine Zahlungsaufforderung bekommen hat, kann umgehend sein Rücktrittsrecht laut Konsumentenschutzgesetz nutzen - schriftlich und eingeschrieben. (apa/red)

11.1.2008 13:09