Freitag, 11. Jänner 2008

SPÖ sucht Nachfolger für ÖBB-Chef Huber: Demontage von ÖVP-nahen Managern

  • Suche nach einem "(politisch) geeigneten Nachfolger"
  • Nimmt Specht SP-Berichte schweigend zur Kenntnis?

In der SPÖ steigt der Unmut über ÖBB-Chef Martin Huber, der als ÖVP-nahe gilt. Wie eine österreichische Tageszeitung berichtet, wird schon "fieberhaft" nach einem "(politisch) geeigneten Nachfolger" gesucht. Huber war noch unter der Vorgängerregierung eingesetzt uns insbesondere SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter galt als leidenschaftlicher Kritiker des ehemaligen Baumanagers Huber.

Laut "Presse" soll insbesondere der neue ÖBB-Aufsichtsrat Leopold Specht als Vertrauter von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer an der Demontage von ÖVP-nahen ÖBB-Managern arbeiten.

Specht nimmt SPÖ-Berichte angeblich schweigend zur Kenntnis
Auffällig sei, dass der Rechtsanwalt Specht in den Sitzungen Berichte von SPÖ-nahen Vorständen, wie Gustav Poschalko, schweigend zur Kenntnis nehme, schreibt die "Presse". Sei aber ein Vorstand, der den Schwarzen zugerechnet wird, am Wort, werde der von Specht einem regelrechten Kreuzverhör unterzogen. "Specht verbreitet ganz schön negative Energie im Aufsichtsrat", wird einer der Mandatare zitiert.

Specht wird als Top-Wirtschaftsanwalt mit einem Hang zum Intellektuellen beschrieben. Er ist unter anderem Absolvent der Harvard Law School, wo er später auch Vorlesungen hielt. Dort lernte ihn Rewe-Vorstand Werner Wutscher kennen, der Specht als "extrem offene, international ausgerichtete Persönlichkeit" schätzt.

Gusenbauer-Vertrauensperson international vernetzt
International ist Leopold Specht laut "Presse" tatsächlich exzellent vernetzt: Seine Kanzlei hat Niederlassungen in Moskau, Belgrad, Budapest und Prag, Specht spricht fließend französisch, italienisch und russisch. Einen besonders guten Draht soll er zum russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie zu Israels Regierungschef Ehud Olmert haben.

Und eben zu Alfred Gusenbauer. Das innige Verhältnis zum Bundeskanzler entstand dem Bericht zufolge schon vor Jahren, und das Faktum, dass Specht seinerzeit eine Kanzlei mit SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim teilte, wird da wohl etwas nachgeholfen haben. Jedenfalls soll Specht damals sehr beharrlich den Kontakt zu Gusenbauer gesucht haben und diesen regelmäßig mit Ideen und Anregungen konfrontiert haben.

Gusenbauer soll schließlich Gefallen an dem Anwalt gefunden haben. "Die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach", analysiert ein Parteigenosse in der Zeitung, "beide sind nicht unbedingt Frohnaturen und können stundenlang echte oder vermeintliche Probleme erörtern."

Im Jahre 2003 schließlich trat Specht erstmals offiziell als Gusenbauer-Intimus in Erscheinung: Er wurde vom SPÖ-Chef in den Österreich-Konvent entsandt, in dem über eine Staats- und Verfassungsreform beraten wurde. Politische Beobachter fanden das damals schon "sehr ungewöhnlich": Üblicherweise ließen sich Politiker dort von politischen Institutionen vertreten. Specht galt dort dennoch als absolute Bereicherung: "Er hat sich sehr pointiert zu Wort gemeldet", erzählte ein Teilnehmer.

(apa/red)

11.1.2008 19:49