ORF-Chef Alexander Wrabetz zieht Bilanz über sein erstes Jahr: "Ich will kein Rambo sein"
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ist trist wie selten zuvor"

ORF-Chef Wrabetz ist seit einem Jahr in Amt und Würden und viel ist seit dem passiert: Programmreform und Gebührenerhöhung sind Maßnahmen für die er von vielen Seiten Kritik ernten musste. Nun zieht der "General des Küniglbergs" selber Bilanz über sein erstes Jahr beim ORF.
Format: Herr Wrabetz, man kann wohl sagen, dass Ihr erstes Jahr nicht nach Wunsch verlaufen ist?
Wrabetz: Sicher nicht ganz. Aber es ist auch einiges Bemerkenswertes gelungen. Wir haben die DVB-T-Umstellung weitgehend bewältigt. Wir haben die finanziellen Grundlagen gesichert, was die Gebührenseite betrifft. Und wir haben mit 1,9 Prozent den niedrigsten Lohnabschluss im ganzen Land - also durchgesetzt, dass auch die Mitarbeiter einen substanziellen Beitrag zum vorgegebenen Sparkurs leisten.
Format: Allerdings war Ihr Ziel eine Nulllohnrunde?
Wrabetz: Na, wenn ich mit 1,9 Prozent als Angebot begonnen hätte, wären wir nicht dorthin gekommen.
Format: Ihr wichtigstes Projekt für 2007, die Programmreform, ist gescheitert?
Wrabetz: Nein, langsam und präzise, bitte. Wir liegen jetzt knapp unter 40 Prozent Marktanteil, was - zugegeben - auch besser sein könnte. Aber in wesentlichen Zeitzonen haben wir uns deutlich verbessert. Sendungen wie die "ZiB 20" oder "Wir sind Kaiser" haben sich sehr gut etabliert. Wir haben 30 Sendungen im Frühjahr 2007 neu gemacht. 25 davon gehen ins neue Jahr. Die öffentliche Wahrnehmung fokussiert sich aber auf die fünf Sendungen, die sich nicht behauptet haben.
Format: In der Wahrnehmung vieler ist das Magazin "Konkret" der einzige Erfolg der Programmreform
Wrabetz: Stimmt aber nicht. ORF 2 steht etwa in der Zeitzone zwischen 17.20 und 20.15 Uhr besser da als vor einem Jahr, unter anderem, weil Sport und "Seitenblicke" nicht mehr gegeneinander antreten. Ich könnte da jetzt viele Beispiele aufzählen. Außerdem gibt es qualitative Verbesserungen wie den Euro-Film oder "kreuz und quer" auf einem früheren Sendeplatz - im Bewusst-sein, dass das Marktanteile kostet.
Format: Wieso ist die Diskussion um die Programmreform dann derart ins Negative abgeglitten?
Wrabetz: Weil am Anfang die Erwartungshaltung zu hoch war - und wir sie vielleicht auch zu hoch geschraubt haben. Es hat ja tatsächlich jeder geglaubt, mit meiner Wahl wird alles besser, was ihn schon immer am Fernsehen gestört hat. Wobei die Zuseher ganz unterschiedliche, oft konträre Vorstellungen haben, die nicht alle unter einen Hut zu bringen sind. Jetzt ist das ein bisserl ins Gegenteil umgeschlagen: Fast alles, was wir tun, wird unter einem negativen Aspekt gesehen.
Format: Die Finanzlage des ORF ist angespannt. Stimmt es, dass Sie beim Gerangel um die Gebührenerhöhung sogar Ihren Rücktritt angeboten haben?
Wrabetz: Das hätten manche vielleicht gerne gehabt, stimmt aber nicht.
Format: In diesem Jahr werden Sie rund 30 Millionen Euro Rückstellungen auflösen müssen, um die Verluste des ORF ausgleichen zu können.
Wrabetz: Aber das ist keine neue Situation und war den wissenden Stiftungsräten immer bewusst. Wir müssen 2008 enorme Sonderbudgets bewältigen: für Fußball-Europameisterschaft, Olympische Spiele und den Einstieg in die neue HDTV-Technologie. Einen Teil dieser Sonderkosten müssen wir durch den Verbrauch von Reserven finanzieren.
Format: Trotz Gebührenerhöhung?
Wrabetz: Von den 22 Millionen, die wir daraus 2008 als Ertrag verbuchen, fließen 15 Millionen in neue Programme und Vorhaben, vor allem in österreichische Filme und Dokumentationen.
Format: Ewig werden Sie aber nicht von den Reserven leben können.
Wrabetz: Deshalb müssen wir die Preis-Kosten-Schere schließen und werden 2009 wieder ausgeglichen bilanzieren.
Format: Durch ein Sparprogramm?
Wrabetz: Ja, auch durch Sparen.
Format: Es sieht aber schon so aus: Die Programmreform war ein Misserfolg, Quoten oder Marktanteile sind daher gesunken, deswegen sinken die Werbeeinnahmen - und darum braucht man jetzt höhere Gebühren.
Wrabetz: Da wird unsere PR-Abteilung noch viel zu tun haben, um die Kausalität der Realität entsprechend zu erklären. Tatsache ist, dass alle vier bis fünf Jahre eine Gebührenanpassung stattfinden muss, also eine Geldwertsicherung, was ja nur heißt, dass die Inflation abgegolten wird. Das ist nichts Neues. Aber natürlich wäre es leichter gewesen, das in der Öffentlichkeit zu argumentieren, wenn die Programmreform auch imagemäßig ein irrsinniger Erfolg gewesen wäre. Im Übrigen plädiere ich für jährliche automatische Anpassungen der Gebühren, die sich an der Inflationsrate orientieren.
Format: Die Werbewirtschaft sagt schon: Die Marktanteile des ORF sinken, also müssen auch die Preise sinken.
Wrabetz: Der entscheidende Punkt ist die Digitalisierung, die die Marktdurchdringung mit Satellitenempfang massiv erhöht hat. Unsere Hauptkonkurrenten RTL, PRO 7 und SAT.1 gewinnen ja kaum Marktanteile. Aber deren Werbefenster sind in immer mehr Haushalten zu sehen. Derzeit haben sie schon rund 70 Prozent technische Reichweite, was den Druck auf die Werbepreise erhöht. Wir wollten diesem Trend noch mehr entgegenwirken. Das ist nicht wie gewünscht gelungen.
Format: Das heißt, es lässt sich gar nicht verhindern, dass der ORF Werbeeinnahmen verliert?
Wrabetz: Das ist auf Sicht das Kern- und Strukturproblem. Es ist uns aber gelungen, den Trend zu bremsen. Aber mit dem Steigen der Reichweite der Privaten lässt sich das nicht ganz vermeiden. Selbstverständlich ist der Abfluss von Werbegeldern zu den Privaten in der Finanzvorschau eingepreist.
Format: Sind Sie trotz der vielen Troubles noch gerne ORF-General?
Wrabetz: Es ist und bleibt der tollste Job des Landes. Dass er auch der schwierigste ist, habe ich gewusst. Aber mit der Zeit wächst eine dicke Haut.
Das gesamte Interview finden Sie im FORMAT 1-2/2008!

