Dienstag, 8. Jänner 2008

Strabag erobert nordafrikanischen Markt: Angelt sich Infrastruktur-Auftrag aus Libyen

  • 434 Mio. Euro starkes Projekt bei Tripolis für 4 Jahre
  • Zudem sind auch Flughafen-Projekte von Interesse

Die börsenotierte österreichische Strabag SE hat einen Großauftrag aus Libyen erhalten und sich damit den Eintritt in den Markt des nordafrikanischen Landes verschafft. Um 434 Mio. Euro soll die Strabag in den nächsten vier Jahren die komplette städtische Infrastruktur der Gemeinde Tajura im Einzugsgebiet von Tripolis erneuern, teilte der Baukonzern mit. Auftraggeber ist das Wohnungs- und Infrastrukturministerium.

Der aktuelle Orderbestand in Afrika hat sich damit von zuletzt 205 auf 639 Mio. Euro mehr als verdreifacht. Er sei zuversichtlich, "demnächst" die Ein-Milliarden-Euro-Grenze bei den afrikanischen Aufträgen zu überschreiten, erklärte Strabag-Konzernchef Hans Peter Haselsteiner.

Auch Flughafen-Projekte von Interesse
Das von der Strabag gewonnene Projekt umfasst die Erstellung eines Wasserversorgungs- und Abwassernetzes sowie weitere Versorgungsleitungen für Telefon und Strom. Im Zug der Erneuerungsarbeiten muss das komplette Straßennetz inklusive Beleuchtung neu errichtet werden. In Summe handelt es sich um 200 Kilometer Infrastruktur, die Bauzeit ist für vier Jahre geplant, teilte die Strabag mit.

"Mit diesem neuen Auftrag und weiteren vielversprechenden Großprojekten, die wir verfolgen, sind wir zuversichtlich, demnächst die 1-Milliarden-Euro-Grenze überschritten zu haben", sagte Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner. In Libyen sei generell ein enormer Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur gegeben. Der österreichisch-deutsche Baukonzern habe bereits Erfahrungen in Nordafrika und werde "entsprechende Strukturen für eine langfristige Tätigkeit in Libyen aufbauen". Libyen soll in der nächsten Zeit der Schwerpunkt der Afrika-Aktivitäten der Strabag bleiben.

Nach Angaben des Unternehmens wird sich die Strabag an der (noch nicht erfolgten) Ausschreibung von zwei weiteren Infrastrukturvorhaben in Libyen beteiligen. Beide Projekte stehen im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Flughafens in Tripolis, für den in Medien ein Gesamtvolumen von 1,4 Mrd. Euro genannt wurde. Der Ausbau der Straße zum Flughafen wird auf 250 Mio. Euro taxiert, eine neu zu errichtende zweite Landebahn wird etwa 100 Mio. Euro kosten. In fernerer Zukunft will die Strabag auch am geplanten Ausbau der touristischen Infrastruktur teilhaben, sagte Strabag-Sprecher Christian Ebner zur APA.

Libyen erholt sich von Sanktionen
Libyen hat in den vergangenen Jahren von den stark steigenden Öl- und Gaspreisen profitiert. Seit 2003 ist es schrittweise zur Aufhebung von internationalen Sanktionen gekommen, die gegen das Land wegen dessen Unterstützung von Terroranschlägen (Berliner Diskothek "La Belle"/1984, Lockerbie-Anschlag/1988) verhängt worden waren. (APA/red)

8.1.2008 13:36