Montag, 7. Jänner 2008

Neues Tauwetter im deutschen Bahnstreit? Baldiger Durchbruch im Konflikt erwartet

  • Lokführer verzichten auf angekündigte Proteste
  • "Schwierigster Brocken": Künftige Einkommenshöhe

Nach monatelangem Tauziehen ist ein Durchbruch im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn zum Greifen nah. Die Lokführer verzichteten auf den angekündigten unbefristeten Streik im Fern-, Nah- und Güterverkehr. Zwar haben sich die Tarifparteien noch nicht geeinigt. Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, sagte aber: "Es kann schon bald ein Ergebnis geben."

Die Tarifparteien hatten seit 2. Jänner an geheimem Ort verhandelt und waren schließlich am 5. Jänner zu einem Spitzengespräch bei Verkehrsminister Tiefensee zusammengekommen. Der Arbeitsausstand der Lokführergewerkschaft hatte in der Anfangsphase, als "nur" der Nahverkehr in Deutschland bestreikt wurde, keine Auswirkungen auf die Österreichischen Bundesbahnen. Als die Gewerkschaft die Gangart verschärfte und auch den Fernverkehr bestreikte, fielen allerdings einige ICE aus oder wurden kurzgeführt. Eine vorläufige Schadenssumme für die ÖBB liegt noch nicht vor.

Einkommenshöhe
"Schwierigster Brocken" bei den Verhandlungen zwischen Deutscher Bahn und GDL ist noch immer die künftige Höhe der Einkommen für die Lokführer, sagte Tiefensee. Die GDL fordert mindestens zehn Prozent mehr Geld und einen eigenständigen Tarifvertrag. Die Bahn hatte der GDL zuletzt acht Prozent mehr Geld geboten, nach dem kurzzeitigen Abbruch der Gespräche durch die GDL kurz vor Weihnachten aber alle Angebote zurückgezogen. Bahn und GDL äußerten sich nicht, wieweit die beiden Seiten nun noch auseinanderliegen.

Der größte Zankapfel aber scheint beseitigt: Einigkeit bestehe in der Frage eines eigenständigen Tarifvertrages, sagte Schell in Frankfurt. Dies war jahrelang eine der Kernforderungen der Gewerkschaft, die sich von den beiden Bahngewerkschaften Transnet und GDBA abgrenzen will.

(apa/red)

7.1.2008 17:15