Roger Federer erfreut über gute Auslosung:
Weg ins Viertelfinale ist relativ hürdenlos
- Schweizer aber ohne Matchpraxis in Titelverteidigung
- Justine Henin große Favoritin bei den Damen

Der topgesetzte Titelverteidiger Roger Federer darf sich über seine Auslosung bei den Tennis-Australian-Open in Melbourne freuen. Der Schweizer hat im ersten Raster-Viertel vorerst vermeintlich gegen keine allzu großen Kaliber zu spielen, ehe es im Viertelfinale zur Neuauflage des Vorjahres-Endspiels gegen den Chilenen Fernando Gonzalez (7) gehen könnte.
Im Halbfinale könnte auf den Eidgenossen der Serbe Novak Djokovic (3) oder aber vielleicht David Nalbandian warten. Es ist eine der spannendsten Fragen dieses Turniers, inwieweit der Argentinier seine absolute Hochform vom Herbst in das neue Jahr hinübergerettet hat. Jedenfalls nennt der seit 1. Jänner 26-Jährige das beste Sieg-Rezept gegen den Langzeit-Weltranglistenleader sein Eigen, hat Federer schon achtmal besiegt.
Auch Nalbandian leicht angeschlagen
Bei einer Trainingseinheit zu Wochenbeginn mit dem Russen Marat Safin zog sich Nalbandian allerdings eine Rückenverletzung zu und verzichtete so ebenfalls auf ein Antreten beim Kooyong Classic wie Federer. Beide gehen damit ohne Matchpraxis in die Open. Federer hatte ein Magen-Darm-Virus zum Kooyong-Verzicht gebracht. Der bisher letzte Australian-Open-Sieger ohne vorhergehende Matchpraxis war übrigens 1995 der US-Amerikaner Andre Agassi.
Mit Andy Roddick macht sich einer von Federers größten Rivalen aber keine falschen Hoffnungen: "Ich kann garantieren, dass sich keiner von uns über Rogers Vorbereitung und Form sorgt", sagte der US-Amerikaner. "Wenn sich einer innerhalb des Turniers in Form bringen kann, dann am ehesten er." Für Federer geht es in der australischen Metropole um seinen vierten Titel sowie seinen insgesamt 13. Grand-Slam-Triumph.
Seit 2004 schaffte es nur Safin, Federer beim Grand-Slam-Auftakt des Jahres zu besiegen. Der 27-Jährige triumphierte in "down under" 2005, nachdem er den Titelverteidiger im Halbfinale ausgeschaltet hatte. Nun fühlt er sich sich nach überstandenen langwierigen Knieschmerzen gesünder denn je: "Mein Spiel fühlt sich jetzt sehr sicher an und ich kann es gar nicht erwarten, Siege einzufahren."
Nadal will gewinnen
Nicht zu vergessen ist natürlich Rafael Nadal. Der Weltranglisten-Zweite nimmt einen weiteren Anlauf, seinen drei French-Open-Titeln an anderer Stätte einen Grand-Slam-Triumph hinzuzufügen. Der Iberer beginnt gegen einen Qualifikanten, scheiterte im vergangenen Jahr im Viertelfinale an Gonzalez. Schließlich wird Lleyton Hewitt abermals versuchen, als erster Australier seit 1976 sein Heimturnier zu gewinnen.
Im Damen-Raster ist speziell der untere Teil des zweiten Viertels interessant. Da würde es der Papierform nach zu einem Zweitrunden-Duell der russischen Vorjahres-Finalistin Maria Scharapowa mit der in der Weltrangliste steil nach oben steigenden Lindsay Davenport kommen. Die US-Amerikanerin hat nach ihrer Baby-Pause drei ihrer seither bestrittenen vier Turniere gewonnen und bereits auf Weltranglisten-Position 52 geklettert.
Titelverteidigerin Serena Williams beginnt ihre Titelverteidigung gegen Jarmila Gajdosova, die gebürtige Slowakin tritt nun für Australien an. Williams ist mit ihrer Schwester Venus nicht in der gleichen Raster-Hälfte, im Viertelfinale könnte es gegen Jelena Jankovic gehen. Es sei denn, der Vorarlbergerin Tamira Paszek gelingt in Runde eins ein Sensationssieg gegen die als Nummer drei eingestufte Serbin. Halbfinal-Gegnerin wäre wohl Justine Henin.
Henin Top-Favoritin
Die Belgierin ist die Top-Favoritin des Turniers, hat eben erst in Sydney ihren 40. Titel eingeheimst. Dass ihr das mit einem 4:6,6:2,6:4-Erfolg gegen die russische Weltranglisten-Zweite Swetlana Kusnezowa gelang, unterstreicht die Ausnahmestellung der Nummer eins. Als erst 11. Spielerin der Geschichte hat Henin nun 40 oder mehr Turniersiege auf ihrem Konto.
Sie hat nun 28 Siege in Folge erreicht, zuletzt hat Venus Williams 2000 mit 35 Erfolgen eine längere Erfolgsstrecke aufzuweisen gehabt. Mit ihrem zweiten Melbourne-Titel nach 2004 würde Henin diese Marke egalisieren. "Die Partie gegen Swetlana gehört in die Art von Matches, die ich vor den Open brauche. Ich bin froh, dass ich im engen dritten die Nerven behalten habe. Ich habe am besten gespielt als ich den meisten Druck hatte."
(apa/red)
