Montag, 14. Jänner 2008

Paszek hatte Sensation auf dem Schläger: Gegen Nr. 3 Jankovic 3 Matchbälle vergeben

  • 17-Jährige unterlag Serbin im dritten Satz mit 10:12
  • Qualifikant Slanar mit glatter Niederlage gegen Sela

Tamira Paszek hat zum Auftakt der mit 12,45 Mio. Euro dotierten Australian Open in Melbourne die Sensation verpasst. Die 17-jährige Vorarlbergerin vergab in der ersten Runde gegen die als Nummer 3 gesetzte Weltranglisten-Vierte Jelena Jankovic im dritten Satz drei Matchbälle, servierte fünfmal mit eigenem Aufschlag auf das Match, musste sich aber nach enormem Kampf und nach 3:09 Stunden mit 6:2,2:6,10:12 geschlagen geben. Wenig überraschend kam auch für Qualifikant Martin Slanar gegen Dudi Sela (ISR) in Runde eins das Aus.

"Es war ein Supermatch, eines der besten, das ich bisher gehabt habe. Klarerweise bin ich total down. Nach drei Matchbällen und so einem Fight ist es nicht einfach, aber es war ein guter Tag", war Paszek rund eineinhalb Stunden nach dem Match trotzdem schon wieder guten Mutes. Kein Wunder, denn die Partie war im dritten Satz kaum an Dramatik zu überbieten.

Paszek begann selbstbewusst, nützte die "Challenge" (die Möglichkeit, den "elektronischen Schiedsrichter" zu befragen) gleich zu Beginn ihres ersten Aufschlaggames beim Stand von 0:1 und zog in der Folge souverän mit zwei Breaks auf 4:1 davon. Jankovic spielte zu diesem Zeitpunkt nicht ihr bestes Tennis, beging allein im ersten Durchgang sechs Doppelfehler und viele unerzwungene Fehler. Zwar gelang ihr ein Rebreak zum 2:4, doch die Serbin musste in der Folge erneut ihr Service abgeben. Paszek nützte nach 34 Minuten ihren zweiten Satzball.

Die Vorentscheidung in Satz zwei fiel aber im vierten Game zu Paszeks Ungunsten: Zwar holte sie ein 0:40 auf, doch den sechsten Breakball nützte Jankovic zum 3:1. Jankovic steigerte sich und schaffte den Satzausgleich. Im dritten Durchgang begann das Match aber erst so richtig, endlich gab es auch längere Rallyes.

Paszek zog mit zwei Breaks auf 3:0 bzw. 4:1 davon, hielt nach einem Rebreak ihrer Gegnerin den Vorsprung bis 5:3 und hatte bei 5:4 ihren ersten Matchball. "Der erste Matchball war schon sensationell mit 15, 20 Ballwechseln, wo dann leider sie den Punkt gemacht hat", erinnerte sich die Vorarlbergerin.

Doch das Match endete nicht nach 1:58 Stunden, sondern erst ganze 71 Minuten später. Zwar fand Paszek bei 6:5,40:15 zwei weitere Bälle zum Aufstieg vor, doch es sollte nicht sein. Ein Vorhandfehler und eine Rückhand ins Out ließen Jankovic - spielerisch gesehen - am Leben. Insgesamt fünf Mal hatte Paszek mit eigenem Aufschlag im Rücken die Möglichkeit, das Match auszuservieren. "Es war unglaublich, es waren wirklich ein paar harte Punkte und vielleicht hatte ich ein paar Mal auch Glück", gestand Jankovic später.

Jankovic spricht von Glück
Nach dem 7:7-Ausgleich ließ sich Jankovic am Rücken behandeln, nach der 9:8-Führung durch Paszek, ließ sich Tamira an der linken Hüfte behandeln. Beide nahmen ein "medical time-out". Bei 9:10 erkämpfte die 17-Jährige noch einmal nach exakt drei Stunden den Ausgleich, doch letztlich nützte Jankovic den zweiten Matchball und sank voller Glück in die Knie. Das Publikum in der fast vollen, 10.000 Fans fassenden Vodafone-Arena zollte beiden Spielerinnen frenetisch Applaus. Am Ende hatte Paszek 132 Punkte, Jankovic drei weniger, doch der Sieg ging dennoch an die Favoritin.

Paszek nahm das Aus sehr sportlich. "Ich glaube, es war noch nicht bestimmt für mich heute. Die Zeit wird kommen, ich habe die Zeit und auch darüber nachzudenken, was ich heute falsch gemacht habe, woran ich arbeiten muss. Ich glaube, es war ganz gut so." Sie spielt nun mit Sybille Bammer Doppel und mit US-Open-Doppelsieger Julian Knowle noch Mixed in Melbourne.

Slanar verpatzt Debüt
Kurz zuvor hatte sich Überraschungs-Qualifikant Martin Slanar wie erwartet in der ersten Runde weit klarer beugen müssen. Der 26-jährige Wiener unterlag dem 211 Plätze besser platzierten Israeli Dudi Sela nach rund 2:15 Stunden mit 2:6,4:6,2:6. Zufrieden war er mit seiner Leistung freilich nicht. "Vor der Partie war ich gar nicht nervös, auf dem Platz aber dann doch. Ich bin nicht locker geworden die ganze Zeit", meinte Slanar, der seine Grand-Slam-Premiere laut eigener Einschätzung mit weniger als 50 Prozent seines Leistungsvermögens absolvierte. Er sei enttäuscht, weniger, ob der Tatsache, dass er verloren hat, sondern wie.

Den Unterschied zwischen einem Weltranglisten-66. und -277. habe er nicht so stark gespürt. "Es war jetzt nicht so, dass ich sagen würde, das habe ich noch nie gesehen oder ich hätte ihn nicht schlagen können." Dennoch sei es ein "Super-Turnier" für ihn gewesen. Wie es mit Slanar nun im Turnierplan weitergeht, weiß er selbst noch nicht, allerdings steht ein dreiwöchiges, verspätetes Aufbauprogramm fest. (apa/red)

14.1.2008 11:01