Görgl hat sich ersten Sieg hart erarbeitet:
Steirerin musste 146 Rennen drauf warten
- Skiwechsel, Technikumstellung, Mentalbetreuung
- Trotz Familienerfolge: Görgl hat eigene Geschichte

"Es ist meine Geschichte, mein Weg." Das wollte sie festgehalten wissen. Elisabeth Görgl, die mit 26 Jahren beim 146. Versuch ihr erstes Ski-Weltcup-Rennen gewonnen hat, ist mit diesem Erfolg ihrer Mama Traudl Hecher und ihrem Bruder Stephan an sportlichen Erfolgen nähergerückt. Unter Druck gesetzt hat sie sich ob ihrer Familiengeschichte aber schon länger nicht mehr: "Es ist ein Grundimpuls, dass man mitziehen will, dass man besser sein will. Aber ich habe erkannt, dass ich mich davon befreien muss", sagte die Steirerin.
Mutter Traudl Hecher-Görgl hat 1960 in Squaw Valley und 1964 in Innsbruck jeweils Olympia-Abfahrts-Bronze gewonnen, Bruder Stephan (29) hat zwar erst vier Weltcup-Podestplätze zu Buche stehen, aber darunter die Siege im Dezember 2004 im Super-G von Beaver Creek und im März 2005 im Riesentorlauf von Lenzerheide. Die kleine Schwester hatte vor Marburg 2008 in ihrer Karriere den Sieg fünfmal nur knapp verpasst. Sie galt lange Zeit als überehrgeizig.
Das Ziel vor Augen hat sie nie verloren, aber der Zugang zum Rennsport wurde ein anderer, auch dank ihres Mentalbetreuers, mit dem sie seit vier Jahren zusammenarbeitet. "Er hat mir weitergeholfen, wir analysieren viel. Ich glaube nicht, dass Dinge zufällig passieren. Und ich glaube, ich habe den Faden nun gefunden", sagte sie nach dem Premierensieg, den sie sich nach den Saisonplatzierungen 9 in Sölden, 2 in Panorama, 4 in Lienz und 3 in Spindlermühle redlich erarbeitet hat. "Sie ist die ganze Saison schon konstant gefahren und sie hatte heute zwei sehr gute Läufe", sagte ÖSV-Alpindirektor Hans Pum nach dem RTL-Triumph. "Sie hat es sich verdient", meinte auch Damen-Cheftrainer Herbert Mandl.
Am 10. März 2000 in Sestriere hatte die Slalom-Junioren-Bronzemedaillengewinnerin von 1999 im Torlauf von Sestriere ihr Weltcup-Debüt gegeben. Die damals 19-jährige verpasste die Qualifikation für den zweiten Durchgang als 31. um sieben hundertstel Sekunden. Am 5. Jänner 2003 fuhr sie im Slalom von Bormio als Zweite hinter der Kroatin Janica Kostelic erstmals in ihrer Karriere auf das Podest. Erst fünf Jahre später erfolgte nun der erste Sieg. "Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Ich werde den Sieg nicht erzwingen können", hatte sie noch vor Marburg im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur gemeint.
Schon drei Kreuzbandrisse
Die in Bruck an der Mur geborene, in Kapfenberg-Parschlug aufgewachsene und in Innsbruck wohnende Stams-Maturantin hat bereits drei Kreuzbandrisse hinter sich, mit 16 bzw. 17 Jahren sowie zuletzt im Februar 2001. Verletzungsfrei ist sie auch seitdem nicht geblieben, plagte sich mit Sprunggelenksverletzungen. Momentan zwickt nichts, sie kann sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren. Nach dem Skiwechsel im Sommer zu Head und der Technikumstellung im Riesentorlauf hat sie gefunden, wonach sie gesucht hat: die Konstanz in einer Disziplin, auf der sie künftig auch Erfolge in Super-G und Abfahrt aufbauen will.
"Ich will rausholen, was in mir drinnen ist", sagt Görgl, die sich selbst immer besser kennen lernt, wie sie erzählt. Seit Samstag weiß sie wieder etwas mehr.
(apa/red)
