Die Ängste der Bevölkerung ernst nehmen: Globalisierung im Wahlkampf im Mittelpunkt
- Größtes politisches Risiko vor Terrorismus und Iran
- US-Bürger denken mehr über eigene Probleme nach
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Großer Andrang auf dem Weg in das Weiße Haus
Ängste vor einer globalisierten Wirtschaft rücken im US-Wahlkampf zunehmend in den Vordergrund. Quer durch die politischen Lager gehen die Präsidentschaftsbewerber immer stärker auf Unsicherheiten ein, denen sich Amerikaner in der unpersönlichen Welt des supranationalen Wirtschaftens ausgesetzt fühlen. Nach dem Abflauen der Gewalt in dem seit bald fünf Jahren besetzten Irak beginnen die US-Bürger Experten zufolge, wieder mehr über ihre eigenen Probleme nachzudenken.
Der demokratische Bewerber John Edwards verdammt die Gier der Unternehmen, der Republikaner Mike Huckabee macht Wahlkampf für den kleinen Mann auf der Straße. Die Demokratin Hillary Clinton verspricht als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen für das höchste Staatsamt, alle Handelsverträge zu überprüfen, sollte sie ins Weiße Haus einziehen.
Wunsch nach Protektionismus
Eine solche Rhetorik trifft nach Einschätzung von Volkswirtschaftlern auf einen fruchtbaren Boden bei Amerikanern, die mit ihrer wirtschaftlichen Lage unzufrieden sind, Angst vor einer Rezession haben oder persönliche Konsequenzen aus der Kreditmarktkrise befürchten. Alles zusammen droht demnach einen neuen Hang zu Isolationismus und Protektionismus zu erzeugen oder zumindest zu verstärken.
"Wir zahlen heute den Preis dafür, dass die Globalisierung zu positiv verkauft wurde", sagt Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. "Dafür, dass die Befürworter der Globalisierung in beiden Lagern nicht bereit waren, sich den Risiken zu stellen und ihre Folgen zu lindern." Die Regierung von Präsident George W. Bush habe in vielen Branchen nicht angemessen reagiert und die Verbraucher nicht ausreichend geschützt.
Größtes politisches Risiko
Die Eurasia Group, eine New Yorker Beratungsfirma, hat den wachsenden Widerstand unter US-Bürgern gegen die Globalisierung vor wenigen Tagen als das größte politische Risiko für die internationalen Märkte bezeichnet - noch vor dem Atomkonflikt mit dem Iran, Irak oder Terrorismus. "Die Globalisierung hat den allgemeinen wirtschaftlichen Optimismus deutlich gedämpft und dem Vertrauen der Menschen in die Zukunft geschadet", sagt Norman Ornstein vom konservativen American Enterprise Institute. "Sie gibt den Menschen das Gefühl, dass ihr Netz der sozialen Sicherheit in Stücke bricht."
"Wenn wir dem von Bush eingeschlagenen Weg weiter folgen, werden wir einen Rückschlag erleiden", warnt Stiglitz. "Weil es einfach nicht stimmt, dass jeder durch die Globalisierung besser dran ist." Von den Demokraten könne man dagegen erwarten, dass sie die Unzufriedenheit durch die Verbesserung der sozialen Sicherheit wie durch die angekündigte Gesundheitsreform dämpften. Stiglitz erwartet mehr Rufe nach Protektionismus, wenn diese Linderung nicht geleistet wird und die schlechte Stimmung unter den US-Bürgern zunimmt: "Die Gefahr, die ich sehe, ist auf der rechten Seite", sagt er. (apa/red)
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