Experte Filzmeier kaum überrascht: Amis
"lieben underdogs, wählen aber Favoriten"
- New Hampshire: Clinton-Tränenausbruch aus Kalkül
- Politologe: Hillary hat stärkste Wahlkampfmaschinerie
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Hampshire zurück
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Großer Andrang auf dem Weg in das Weiße Haus
Für den Politologen Peter Filzmaier ist der Sieg Hillary Clintons in New Hampshire "nicht so überraschend". Das Rennen zwischen den Kandidaten der Demokraten und Republikaner im US-Präsidentschaftswahlkampf sei immer noch offen. Aus seiner Sicht bleiben die ursprünglichen Favoriten Hillary Clinton (Demokraten) und Rudolph Giuliani (Republikaner) leichte Favoriten, er hält aber Prognosen für ein Endergebnis zum jetzigen Zeitpunkt für "hochgradig unseriös". Filzmaier verweist auf den alten Spruch: "Die Amerikaner lieben zwar die underdogs, wählen aber lieber die Favoriten."
"Der Erfolg Clintons ist nicht so überraschend, sie hat schließlich die stärkste Wahlkampfmaschinerie hinter sich und das meiste Geld. Das hat sich in New Hampshire durchgesetzt", so Filzmaier, der sich gegenüber der APA und im ORF-Radio (Ö1-Mittagsjournal) äußerte. Clintons schärfster Konkurrent Barak Obama habe sich zwar als äußerst wettbewerbsfähiger Außenseiter erwiesen, aber eben doch noch als Außenseiter. Klar herausgekommen sei in New Hampshire auch, dass die Schlüsselwählergruppe, die die Kontrahenten für sich gewinnen müssen, Frauen mittleren Alters sind.
Tränenoffensive
Hinter Clintons Gefühlsausbruch vor laufender Kamera ortet der Politologe strategisches Kalkül. Die Frau, der man nachsage, sie liebe die Macht, nicht aber die Politik, und schon gar nicht die Menschen, konnte auf diese Weise symbolisieren: "Ich bin eine von euch und für euch da." Entgegen allen Umfragen, die einen klaren Sieg des Senators aus Illinois voraussagten, konnte sich die ehemalige First Lady knapp gegen Obama durchsetzen.
Den "Umfragejournalismus" bezeichnet Filzmaier als bloße Medienhysterie und als "horse race journalism", bei dem, wie bei einem Pferderennen, jeden Tag ein anderer zum Sieger ausgerufen werde.
Alles noch offen
Aus den bisherigen Vorwahlen in Iowa und New Hampshire schließt der Experte, dass das Rennen mit einem interessanten Konkurrenzverhältnis bei den Demokraten immer noch offen sei. Die Konkurrenten würden zwei sehr unterschiedliche Strategien verfolgen. Veränderung spreche für Obama, Stabilität und Erfahrung für Clinton. Die Amerikaner sprechen sich, so Filzmaier, nach der Bush Ära allerdings für ein Wandel aus. Clinton habe hier das Problem, dass sie zum politischen Establishment zähle, das bedeute ein Negativimage. Die US-Bürger würden es nicht als "Veränderung" empfinden, wenn in den letzten Jahrzehnten nur zwei Familien im Weißen Haus säßen.
Guiliani "ab Florida aktiv"
Wie sich die Wahlen für die republikanischen Sieger von Iowa und New Hampshire, Mike Huckabee und John McCain, entwickeln, könne man noch nicht sagen, denn "Giuliani steigt bei den Wahlkämpfen bewusst erst in Florida ein. Erst nach diesen Wahlen kann man sagen, ob Giuliani erfolgreich sein kann", so Filzmaier. In den Umfragewerten in Florida läge er jedenfalls weit vorn, er habe auch den größten Apparat hinter sich. Die Herausforderer Huckabee und McCain sind zwar gefährliche Außenseiter, allerdings nicht mehr als Außenseiter.
Wahlkampf gegen eigene Partei
Der Gewinner von New Hampshire, McCain, habe es laut Filzmaier deswegen schwer, sich durchzusetzen, da er quasi gegen die eigene Partei "wahlkämpfen" müsse. Da könne man mit Populismus zwar punkten, in den großen Staaten und im Süden würde ihm das allerdings nur wenig helfen. Huckabee vertrete die christlichen Rechten, eine tief religiöse, fast fundamentalistische Gruppe, aber auch diese sei nicht mehrheitsfähig. Am mehrheitsfähigsten und breitenwirksamsten sei trotz mancher Probleme in seiner Biografie Rudolph Giuliani.
"Super Tuesday"
Als wirklich aussagekräftig bezeichnet Filzmaier die Vorwahlen in Florida am 29. Jänner und den "Super Tuesday" am 5. Februar, bei dem in über 20 Bundesstaaten gewählt wird. Bei diesen Wahlen gehe es mehr um einen Medienwahlkampf, für den mehr Geld benötigt würde. "In den kleinen Bundesstaaten Iowa und New Hampshire war es für die Kandidaten noch leicht möglich, von Veranstaltung zu Veranstaltung zu pilgern und Stimmen zu sammeln, das ist bei den größeren Bundesstaaten wie Florida nicht mehr möglich", meint der Politologe.
Florida würde auch deshalb interessant werden, da hier eine sehr heterogene Wählerschaft lebe. "Die New Yorker Senatorin Hillary Clinton wird wohl eher von der älteren Wählerschicht gewählt werden, vor allem von New Yorkern, die ihre Pension in Florida verbringen, während der Afroamerikaner Obama mehr bei den Minderheiten punkten wird", meint Filzmaier.
(apa/red)
