Dienstag, 8. Jänner 2008

Umfragen sehen Obama klar vorne: New Hampshire könnte Aus für Clinton bedeuten!

  • Vietnam-Veteran John McCain führt bei Republikanern
  • Tränen bei Hillary Clinton im Angesicht der Niederlage

Bei der zweiten Vorwahl in den USA ist Senator Barack Obama in New Hampshire als klarer Favorit der Demokraten ins Rennen gegangen. Einer Reuters-Umfrage zufolge baute der 46-Jährige seinen Vorsprung auf die frühere First Lady Hillary Clinton in diesem Bundesstaat um 13 Punkte auf 42 Prozent aus. Clinton, die vorige Woche in Iowa abgeschlagen als Dritte in Ziel gekommen war, konnte danach mit 29 Prozent rechnen. USA-weit liegt Clinton allerdings immer noch knapp in Führung.

Eine weitere Niederlage könnte für die New Yorker Senatorin unter Umständen das vorzeitige Aus für ihre Präsidentschaftsambitionen bedeuten. Clinton kündigte aber an, auch bei einer neuerlichen Niederlage bis zum "Super Tuesday" am 5. Februar, wenn in 22 Bundesstaaten Vorwahlen anstehen, weiterkämpfen zu wollen.

Die Besonderheit der Primary in New Hampshire ist, dass nicht nur eingetragene Parteianhänger abstimmen dürfen wie zuvor in Iowa, wo ein sogenannter Caucus abgehalten wurde. Alle Wahlberechtigten unter den knapp 1,3 Millionen Einwohnern des kleinen Staats im Nordosten der USA (Fläche so groß wie Wien, Niederösterreich und Burgenland, Anm.) dürfen zu den Urnen gehen - ein wichtiger Stimmungstest.

John McCain Favorit bei Republikanern
Favorit der Republikaner in New Hampshire war Senator John McCain, für den nach der Umfrage von Reuters/C-Span/Zogby 36 Prozent der Parteianhänger stimmen wollten. An zweiter Stelle lag mit 29 Prozent der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Ihm folgte Arkansas' Ex-Gouverneur Mike Huckabee. Romney zeigte sich gleichwohl siegesgewiss. Er werde die Stimmen seiner Parteifreunde und der unabhängigen Wähler auf sich ziehen und letztlich siegen.

Hoher Sieg in Mini-Bergdorf für Obama
Im abgelegenen Bergdorf Dixville Notch, wo die Wahllokale bereits schlossen, hatte Obama die Nase vorn. Von den zehn registrierten Wählern der Demokraten stimmten sieben für den schwarzen Senator. Zwei Stimmen entfielen auf den früheren Senator John Edwards, eine auf New Mexikos Gouverneur Bill Richardson. Bei den Republikanern lag McCain mit vier von sieben Stimmen in Führung. Ihm folgten Romney und New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, die zwei beziehungsweise eine Stimme auf sich vereinigen konnten.

Auch in der kleinen Gemeinde Hart's Location mit 42 Einwohnern erhielt Obama deutlich mehr Stimmen als Clinton. Bei den Republikanern setzte sich McCain knapp gegen Huckabee durch.

Tränen bei Ex-First-Lady
Clinton, die in Dixville Notch leer ausging, überraschte ihre Anhänger mit einem unerwarteten Gefühlsausbruch. Die sonst eher kühl und kontrolliert wirkende Politikerin rang mit den Tränen, als sie bei einer Veranstaltung über die Gründe ihrer Kandidatur sprach. "Einige von uns setzen sich dem aus und machen das hier", sagte sie mit brüchiger Stimme und feuchten Augen. "Es ist nicht einfach. Es ist nicht einfach. Und wenn ich nicht so leidenschaftlich daran glauben würde, das Richtige zu tun, dann würde ich es nicht durchstehen." Einige der Bewerber hätten recht, andere nicht, fügte Clinton hinzu. "Manche Leute meinen, ein Wahlkampf ist nur ein Spiel."

Der Vorwahl in New Hampshire kommt traditionell große Bedeutung zu: Hier sahen zum Beispiel John Glenn (1984), Bob Dole (1988) und Steve Forbes (1996 und 2000) den Anfang vom Ende ihrer Kampagne. Bill Clinton - seit 1975 mit Hillary verheiratet - feierte hingegen 1992 als "Comeback Kid" als Zweiter hinter Paul Tsongas einen durchschlagenden Erfolg, nachdem er zuvor in Iowa mit 3 Prozent katastrophal schlecht abgeschnitten hatte, und wurde später sogar Präsident.

(apa/red)

8.1.2008 14:55