Um Streit über Bhutto-Mord zu beenden: Musharraf ist für Exhumierung der Leiche
- Pakistan-Präsident lehnt UN-Untersuchung aber ab
- Bevölkerung glaubt nicht an Anschlag der Al Kaida
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Pakistans Regierung nun
als Attentäter verdächtigt
Im Streit über die Todesursache von Oppositionsführerin Benazir Bhutto hat Pakistans Präsident Pervez Musharraf angesichts großen Misstrauens in der Bevölkerung für eine Exhumierung der Leiche plädiert. So könne die Diskussion um eine mögliche Verwicklung der Regierung in das Attentat am 27. Dezember beendet werden, erklärte Musharraf in einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin "Newsweek". Die Forderung von Bhuttos Familie nach einer UN-geführten Untersuchung der Ermordung der früheren Premierministerin am 27. Dezember wies der Präsident zurück. Die Ergebnisse der pakistanischen Ermittlungen sollen noch vor den Wahlen am 18. Februar bekanntgegeben werden.
"Ich fände es gut, wenn (der Leichnam) exhumiert würde", sagte Musharraf in dem Interview mit "Newsweek", das im Internet veröffentlicht wurde. Er wolle diese Maßnahme aber nicht anordnen, ohne das Einverständnis der Familie zu haben. Bhutto war am 27. Dezember in Rawalpindi getötet worden. Ihren Anhängern zufolge wurde sie erschossen, die Regierung versichert dagegen, Bhutto habe sich an ihrem Auto den Schädel eingeschlagen, als ein Selbstmordattentäter eine Bombe zündete. Eine Autopsie des Leichnams hat nie stattgefunden. Musharraf warf Bhuttos Partei PPP und der gesamten Opposition vor, sie wollten aus dem Tod der Politikerin politischen Profit ziehen.
Bhuttos Witwer Asif Ali Zardari sowie ihr Sohn Bilawal Zardari hatten eine Untersuchung des Todes durch die Vereinten Nationen nach dem Vorbild der UN-Ermittlungen zum Mord an dem früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri gefordert. Dies lehnte Musharraf erneut ab. Die pakistanischen Behörden führten die Ermittlungen und würden dabei von Fachleuten der britischen Kriminalpolizei unterstützt, erklärte er. Die Ergebnisse dieser Ermittlungen sollten noch vor den Wahlen am 18. Februar bekanntgegeben werden. Das Land befindet sich seit dem Tod Bhuttos in Aufruhr, die zunächst für den 8. Jänner geplanten Wahlen wurden daher verschoben.
Stecken Geheimdienste hinter Ermordung?
Das Misstrauen der Bevölkerung wurde in einer veröffentlichten Umfrage des Gallup-Instituts deutlich, in der 23 Prozent der Befragten die Überzeugung äußerten, dass der Geheimdienst oder andere Sicherheitsdienste hinter dem Anschlag auf die Oppositionspolitikerin stecken. Weitere 25 Prozent machen demnach regierungstreue Politiker verantwortlich. Die offizielle Darstellung, dass das Terrornetzwerk Al Kaida hinter dem Anschlag steckt, glauben gerade einmal 17 Prozent der Pakistaner. Das Gallup-Institut in Pakistan befragte 1.300 Männer und Frauen.
Die Gewalt im Nordwesten des Landes, wo nach Geheimdiensterkenntnissen zahlreiche Al-Kaida-Kämpfer und afghanische Taliban Unterschlupf finden, dauerte inzwischen unvermindert an. Ein Militärsprecher in Islamabad gab bekannt, bei Kämpfen der Armee mit Aufständischen in Süd-Waziristan seien in der mindestens 50 Taliban getötet worden. Die Lage im von den Behörden nur unzureichend kontrollierten Nordwesten des Landes hatte zu Spekulationen über einen eigenmächtigen US-Einsatz geführt. Musharraf wies ein solches Ansinnen in mehreren Interviews empört zurück. (apa/red)
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