Müll-Chaos macht Prodi arg zu schaffen: Norditalien möchte Unrat nicht übernehmen
- Berlusconi bezeichnet Regierung als völlig unfähig
- Verletzte bei "schmutzigen" Kämpfe um Müllchaos
·Zwei Verletzte bei Demos gegen Deponie
Neapel: Polizisten von Demonstranten attackiert
·Die "Müllkrise" in
Neapel spitzt sich zu
Bürger protestieren
gegen eine alte Deponie
·"Müllnotstand" in Neapel immer ärger!
Verärgerte Neapolitaner zündeten Abfallberge an
Die Müllkrise in Neapel macht der Regierung Prodi arg zu schaffen. Die norditalienischen Regionen Lombardei, Friaul Julisch Venetien, Veneto und Ligurien weigern sich, in ihren Deponien und Verbrennungsanlagen den Abfall aus Neapel zu entsorgen. Dabei hatte Regierungschef Romano Prodi in seinem Programm zur Bewältigung der Notstandslage die zeitweilige Abfallübernahme durch andere Kommunen und Regionen angekündigt.
Die Präsidenten der norditalienischen Regionen behaupten, ihre Anlagen seien bereits ausgelastet und könnten nicht auch noch den Abfall aus Neapel übernehmen. Die rechtspopulistische Oppositionspartei Lega Nord drohte mit Straßenblockaden, sollte Norditalien den Müll aus Neapel übernehmen müssen, berichteten italienische Medien.
Um die 110.000 Tonnen Müll zu entsorgen, die sich auf den Straßen Kampaniens, der Region um Neapel, türmen, wurden die Mülltransporte Richtung Deutschland und der Schweiz verstärkt, was jedoch die öffentliche Hand teuer zu stehen kommt. Ein Schiff mit 1.500 Tonnen Unrat aus Neapel erreichte Sardinien, wo der Abfall entsorgt werden soll.
Prodi appellierte an die Solidarität der norditalienischen Regionen. "Die Müllkrise in Neapel ist ein nationales Problem", sagte der Regierungschef. Er klagte über die aus der Müllkrise resultierenden Imageprobleme. "Das ganze Land muss das Problem in Angriff nehmen. Italien hat schwere Imageschäden erlitten. Die Medien in ganz Europa befassen sich mit der Notstandssituation in Neapel. Ich hoffe auf eine baldige Lösung dieser Krise und fordere den Beitrag aller Regionen zur Bewältigung einer Situation, die nicht nur Neapel, sondern das ganze Land betrifft", erklärte Prodi.
Kritik von Berlusconi
Oppositionschef Silvio Berlusconi beschuldigte Prodi, dem Land wegen seiner Unfähigkeit bei der Bewältigung der Situation einen enormen Imageschaden zugefügt zu haben. "Diese Regierung hat jegliche Legitimität verloren", kommentierte Berlusconi. Er attackierte auch die Mitte-links-Politiker, die Kampanien in den vergangenen Jahren verwaltet haben. "In den letzten 14 Jahren haben sie enorme Summen eingesteckt und durch Vetternwirtschaft ihre Position konsolidiert", betonte Berlusconi. Er bezog sich dabei vor allem auf den Präsidenten der Region Kampanien, Antonio Bassolino, der trotz der akuten Krise seinen Rücktritt verweigert.
Inzwischen bleibt die Lage in Neapel gespannt. Zuletzt kam es zwischen Demonstranten und Ordnungskräften zu Krawallen, sieben Feuerwehrmänner wurden verletzt. Wütende Demonstranten warfen in dem Ort Pozzuoli Feuerwerkskörper und Steine in das Innere des Feuerwehrfahrzeugs. Einige Demonstranten schleuderten demnach sogar Steine auf am Boden liegende Feuerwehrmänner. Ein Polizeiauto wurde von vermummten Demonstranten angegriffen.
Pozzuoli liegt in der Nähe der Mülldeponie von Pianura. Die Deponie war vor elf Jahren wegen Gesundheitsgefahren geschlossen worden, wurde aber inzwischen wieder in Betrieb genommen. Die Bewohner des Viertels wehren sich gegen die Anlage, da sie Schäden für ihre Gesundheit befürchten. In den vergangenen Tagen lieferten sich Anrainer und Polizisten immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen.
(APA/red)
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