Mittwoch, 9. Jänner 2008

Nach tödlichem Attentat auf Bauminister: 20 Menschen bei neuen Konflikten getötet

  • In letzten Tagen mindestens 118 Opfer zu beklagen
  • Regierung kündigte Waffenstillstandsabkommen auf

Bei neuerlichen Kämpfen im Norden von Sri Lanka sind nach Angaben der Armee 20 Menschen getötet worden. Damit sind innerhalb der vergangenen fünf Tage mindestens 118 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen tamilischen Rebellen und Regierungstruppen ums Leben gekommen.

Zuletzt hatten Soldaten ein Gebiet im Distrikt Mannar eingenommen. Bei einem Feuergefecht seien 19 Rebellen und ein Soldat getötet sowie fünf weitere Soldaten verletzt worden, sagte ein Armeesprecher. Zuvor war Bauminister D.M. Dassanayake nach einem Bombenanschlag nahe der Hauptstadt Colombo seinen schweren Verletzungen erlegen. Eine weitere Person wurde ebenfalls getötet, zehn Menschen wurden verletzt.

Die Regierung hatte angesichts der anhaltenden Kämpfe ein 2002 in Kraft getretenes Waffenstillstandsabkommen aufgekündigt. Es endet offiziell am 16. Jänner. In Sri Lanka kämpfen die separatistischen "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) für einen eigenen Staat im Norden und Osten der Insel. In dem seit 1983 andauernden Bürgerkrieg haben mehr als 70.000 Menschen ihr Leben verloren.

Auf der Insel, die zunächst von den Portugiesen, dann den Niederländern und ab Ende des 18. Jahrhunderts von den Briten kolonisiert wurde, stellen die buddhistischen Singhalesen mit mehr als 70 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe. Die mehrheitlich hinduistischen Tamilen sind mit 18 Prozent die größte Minderheit. Die im 19. Jahrhundert zugewanderten Indien- oder Kandy-Tamilen wurden von den britischen Kolonialherren als Arbeitskräfte auf den Teeplantagen beschäftigt, während die Ceylon-Tamilen von der Kolonialmacht vor allem in der Verwaltung eingesetzt und dabei gegenüber den Singhalesen bevorzugt wurden. Nach der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien 1948 führte dies zu starken Antipathien zwischen den Bevölkerungsgruppen. (apa/red)

9.1.2008 09:35