Montag, 14. Jänner 2008

"Mohammed wäre heute Kinderschänder": Empörung über Anti-Islam-Kampagne der FPÖ

  • BZÖ: Auch Jörg Haider macht sich über Muslime lustig
  • Integrationsbeauftragter über Beleidigungen entsetzt
    Strache: "EU-Reformvertrag ist wie 'Anschluss' 1938"

Von heftigen Beschimpfungen gegen den Islam war das FPÖ-Neujahrstreffen in Graz gekennzeichnet. Die blaue Spitzenkandidatin für die Grazer Gemeinderatswahl, Susanne Winter, meinte, der islamische Prophet Mohammed wäre heute ein "Kinderschänder", außerdem sei er ein "Feldherr", den den Koran in "epileptischen Anfällen" geschrieben hätte. Der Islam sei ein "totalitäres Herrschaftssystem" und gehöre "dorthin zurückgeworfen, wo er hergekommen ist, hinter das Mittelmeer". Beim BZÖ-Neujahrstreffen ebenfalls in Graz hatte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider ebenfalls den Islam aufs Korn genommen und gemeint, "noch darf man ja Grüß Gott sagen und muss nicht sagen, Allah ist groß".

Die FPÖ-Ausfälle gegen den Islam wurden vom Integrationsbeauftragten der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Omar Al-Rawi, als "Respektlosigkeit" und "unwahre Behauptungen" verurteilt. Das "Islam Basching" habe ein Niveau erreicht, dass es "einem den Magen verdreht und dabei übel wird".

Kritik der anderen Parteien
Die Winter-Aussagen wurden auch von ÖVP, SPÖ, Grünen und auch BZÖ scharf kritisiert. Bürgermeister Siegfried Nagl erklärte, Graz brauche Stabilität und nicht Verunsicherung. Man wolle ein friedliches Miteinander der Religionen und nicht ein provokantes Gegeneinander. Der Grazer SPÖ-Klubchef Karl-Heinz Herper warf der FPÖ vor, den Religionsfrieden in der Stadt eminent zu stören. Es gehe um eine Hetze gegen eine seit 1912 gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Die Grüne Spitzenkandidatin Lisa Rücker sprach von einem erschreckenden Niveau, Winter sei nicht zu retten. BZÖ-Spitzenkandidat Gerald Grosz erklärte, es handle sich um einen "völlig überzogenen und inakzeptablen Vergleich". Winter wolle offenbar Straßenschlachten provozieren.

Strache mit "Anschluss"-Vergleich
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wetterte in seiner Rede gegen die Regierung, die EU, die Ausländer, Bürgermeister Nagl und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (V). Den EU-Reformvertrag verglich er mit dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland 1938.

Bei den Orangen hatte Haider die rot-schwarze Koalition kritisiert, die "streiten wie die Zigeuner jeden Tag über ein anderes Thema". BZÖ-Chef Peter Westenthaler forderte härtere Strafen bei Gewalt gegen Kindern und hatte als Überraschungsgast den leiblichen Vater des zu Tode misshandelten Luca, Bernhard Haaser, geholt. (apa/red)

14.1.2008 09:04