Dienstag, 8. Jänner 2008

"Versuch, Frauen zu bevormunden": Neuer Koalitionsstreit um Schwangerenberatung!

  • Bures findet Donnerbauer-Vorschläge "unerträglich"
  • ÖVP-Justizsprecher forderte Wartefrist für Abtreibung

Voll entfacht ist ein Streit über die Fristenlösung in der Koalition. ÖVP-Justizsprecher Heribert Donnerbauer hatte laut über eine verpflichtende Schwangerenberatung sowie eine Wartefrist zwischen Beratung und Eingriff nachgedacht. "Unerträglich" findet Frauenministerin Doris Bures Donnerbauers jüngste Aussage in einer Tageszeitung, wonach "manche Ärzte aus Angst vor Klagen zur Abtreibung raten" würden. Sie warnte bei einer Pressekonferenz vor der erneuten Beschneidung der Selbstbestimmung der Frau und forderte Donnerbauer auf, seine Aussagen teilweise zurückzunehmen.

Besonders empört ist Bures über Donnerbauers Äußerung in der "Presse" zu den Ärzten, die aus Sorge vor möglichen Komplikationen zu Schwangerschaftsabbruch raten. "Eigentlich müsste sich die Gesundheitsministerin schützend vor die Gynäkologen stellen", erklärte die Frauenministerin.

Generell ortet sie in Sachen Abtreibung ein Bündnis zwischen dem Koalitionspartner und der FPÖ. Denn nicht nur die ÖVP hatte mögliche Änderungen bei Fristenlösung in den letzten Tagen thematisiert. Von FPÖ Nationalratsabgeordneten Karlheinz Klement kam der Vorschlag, Frauen eine Prämie zu zahlen, wenn sie ihre Kinder austragen und danach zur Adoption freigeben.

"Ungeheuerlich" findet die Frauenministerin diesen "erneuten Versuch von Männern, Frauen zu bevormunden". Auch dass Donnerbauer die FPÖ- Idee "nur" damit kommentiert hat, dass dies nicht der richtige Weg sei, sorgt für Ärger in der SPÖ. Dem Koalitionspartner wirft Bures in der Abtreibungs-Frage Doppelbödigkeit vor. Denn wenn es um die Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften gehe - Stichwort "Pille danach" - spreche die ÖVP von "unmoralischen Medikamenten", kritisierte sie.

Grüne für Verhütungsmittel auf Krankenschein
Die Grünen fordern Verhütungsmittel auf Krankenschein und die Freigabe der "Pille danach". Das erklärte die Frauensprecherin der Grünen Brigid Weinzinger im Zuge der koalitionsinternen Debatte rund um Änderungen bei der Schwangerenberatung. "Oberstes Ziel sollte es in einer Aussendung. "Zwangsverpflichtungen von Frauen zu immer mehr Beratungen und Auflagen", lehne sie ab, so Weinzinger in Richtung ÖVP. (APA/red)

8.1.2008 14:23