Donnerstag, 3. Jänner 2008

Bald keine Autos in der Stadt? City-Maut
soll Umweltbelastung in Zukunft reduzieren

  • Pläne für Graz, Wien, Salzburg & Klagenfurt sinnvoll
  • Weniger Staus: Einnahmen für öffentlichen Verkehr

Bis zu 20 Prozent weniger Feinstaubbelastung und eine Reduktion der Blechlawine verspricht sich der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) von der Einführung einer City-Maut in österreichischen Städten. Nachdem gestern, Mittwoch, in Mailand eine Straßengebühr für Diesel- und umweltbelastende Fahrzeug eingeführt worden war, sprach sich der Club am Donnerstag für Pilotprojekte aus. Sinnvoll sei eine Maut vor allem für Graz, Wien, Salzburg und Klagenfurt, aber auch Bregenz.

Als Vorbild nannte der VCÖ vor allem die Einführung der zeitlich gestaffelten City-Maut in Stockholm im Sommer 2007. In der zuvor durchgeführten sechsmonatigen Testphase sei der Kfz-Verkehr in der gebührenpflichtigen Zone um 23 Prozent und die Staus um 38 Prozent zurückgegangen. Positive Auswirkungen gab es auch auf die Feinstaubbelastung (minus 13 Prozent) und den CO2-Ausstoß (14 Prozent).

Feinstaubwetter
Weitaus stärker als der Verkehr scheint sich das Wetter auf die Feinstaubbelastung auszuwirken. 2007 wurden nur an halb so vielen Orten zu oft überhöhte Werte gemessen. Laut Gesetz darf die Tagesgrenze von 50 Mikrogramm PM10 (Staubpartikel mit einem Durchmesser von zehn Mikrometern) an maximal 30 Tagen pro Jahr überschritten werden. 2007 gab es laut VCÖ an 18 Stellen zu oft höhere Werte. Im Jahr zuvor waren es 43 Messstationen.

Der Winter war Schuld
Die Ursache für den Rückgang um mehr als 50 Prozent sieht man beim VCÖ in der günstigen Winter-Wetterlage, dank der es weniger Schnee, Streumittel und Heiztage gab. Die Feinstaubwerte seien zwar sehr stark vom Wetter abhängig, Spitzen könnten jedoch durch eine Verkehrs-Reduktion gekappt werden, so der Club. Bei Schadstoffen liege das Einspar-Potenzial bei 15 bis 25 Prozent.

City-Maut-Tarife staffeln
In Graz und Wien kam es 2007 am öftesten und an mehrere Stellen zur Überschreitung: Negativer Spitzenreiter war die Station Graz-Don Bosco mit 77 Tagen, gefolgt von Wien-Taborstraße mit 67 Tagen. Auch in Klagenfurt würden vor allem die Feinstaub-Werte für eine City-Maut sprechen, so der VCÖ. In Salzburg gebe es vor allem durch die zahlreichen Touristen Platzprobleme. In Bregenz sorgen Lenker, die wegen der Vignetten-Pflicht statt der Autobahn die Durchquerung der Stadt bevorzugen, für dichten Verkehr. Der Tarif für eine City-Maut in Österreich sollte zeitlich gestaffelt sein, die Einnahmen will der Club für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs verwenden.

Kritik
Gegen die Pläne des VCÖ sprachen sich Verkehrsplaner und der ÖAMTC aus: Parkraumbewirtschaftung und gesetzliche Änderungen lauten die Empfehlungen von Ziviltechniker Werker Rosinak sowie Planer Max Herry. Eine City-Maut sei im Moment nicht besonders zielführend, urteilten beide im APA-Gespräch. Österreichs Städte könnten nicht mit Millionenmetropolen wie London oder Mailand verglichen werden. Gerade in der Bundeshauptstadt sei die Parkraumbewirtschaftung "sehr erfolgreich" und nehme bereits einige Dinge der City-Maut vorweg. Alternativen wie der öffentliche Verkehr müssten besser ausgebaut werden.

Weitere Proteststimmen
Der ÖAMTC warnte vor allem vor unnötigen Belastungen und negativen Folgen für die Stadtbewohner und die Wirtschaft. In den Bundesländern stießen die Vorschläge des VCÖ ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Graz, Wien, Salzburg und auch Klagenfurt, die vom VCÖ als geeignete Orte für ein Pilotprojekt bezeichnet wurden, stand man der Idee am Donnerstag ablehnend gegenüber.

Grüne Meinungen
In der "Feinstaubhauptstadt" Graz setzt man zwei Wochen vor der Gemeinderatswahl auf eine Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung. Selbst die Grünen, die einst die City-Maut vehement gefordert haben, würden ein flächendeckendes Roadpricing bevorzugen. Der Grüne Vizebürgermeister in Bregenz, Gernot Kiermayr, kann sich zumindest eine Diskussion über eine Gebühr zur Straßenbenützung vorstellen. Sein Parteikollege Jürgen Himmelbauer, Linzer Mobilitätsstadtrat, steht einer Maut ebenfalls "grundsätzlich positiv gegenüber". (APA/red)

3.1.2008 16:35