Mit NEWS kulinarisch korrekt abnehmen: Christoph Wagner verzichtet genussvoll
- Der Genuss-Grande auf Gourmet-Diät im Panhans
- Für "horizontally challenged persons of substance"

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Wie ich unlängst erfuhr, zähle ich, politisch korrekt formuliert, zur Gruppe der "horizontally challenged persons of substance". Auf Deutsch: zu jenen, die abnehmen müssen. Das tue ich auch alle Jahre wieder mit maßvollem Erfolg.
Denn das Einzige, was meiner "Substanz" wirklich gefährlich werden könnte, wäre eine völlige Umstellung von Lebensstil und -umständen - in meinem Fall hieße dies beispielsweise, in der Chefredaktion vorzusprechen, ob ich nicht meine Kolumne mit Fiona Swarovski tauschen könnte. Die Reaktion möchte ich mir lieber nicht vorstellen.
Ein "schweres Jahr".
Also nehme ich in regelmäßigen Abständen lieber brav ab, wohl wissend, dass danach wieder ein "schweres Jahr" beginnen wird. Auf diese Weise habe ich schon gemaiert und gesemmelt, geschrotet, gepunktet und wasweißichnochwas. Die komfortabelste (und keineswegs am wenigsten wirkungsvolle) aller Diäten ist allerdings immer noch jene, die ich mir, in Zusammenarbeit mit einem verständnisvollen Koch, selbst zusammenstelle. Heuer fiel meine Wahl auf Alfred Holzfeind vom Semmeringhotel Panhans, einen kreuzfahrtschiffgeschulten Meister dessen, was ich keineswegs abschätzig als "alte Schule" bezeichne. Vor allem ist er ein Meister des Weglassens von Unnötigem, aber keinesfalls von Wohlschmeckendem. Ich einigte mich mit ihm auf die Absenz von Weißmehl, unnötigen Kohlehydraten, Obers und Zucker und erzählte ihm von meiner Vorliebe für alles, was fliegt oder schwimmt, für Rohes, Pochiertes, Geschmortes und Gesottenes, für klare Suppen und knackige Gemüse. Und für Käse in jeder Form.
Fantasie und 1.000 Kalorien.
Ein Koch mit Fantasie, der stoppelt daraus schon irgendwie 1.000 Kalorien am Tag zusammen. Wie ein kulinarisches Gesamtkunstwerk baute Holzfeind mein tägliches viergängiges Menü also auf ein paar Leitmotiven wie klaren Suppen, pochierten Fischen und Filets, Beef Tatar, wenigen, aber stets ausgezeichneten Erdäpfeln, orchestriert mit sehr viel Wurzelwerk, auf. Und zum Abschluss gab es stets ein kleines, kaltes oder warmes Käse-i-Tüpfchen unterschiedlicher Anrichte- und Zubereitungsweise. Und was immer an Köstlichkeiten, von Fasanenbrust bis Kalbsbries und von Garnelen bis Rehfilet, nicht unter übermäßigem Kalorienverdacht steht, ließ sich während meiner 14-Tage-Diät, überschaubar, aber doch auch beruhigend portioniert auf meinem Teller blicken. Was Holzfeind indessen alles wegließ, fiel angesichts dessen, was herbeigetragen wurde, kaum auf: Knödel, Nockerln, Nudeln, Reis, wie auch immer gebundene schwere Saucen, butterig-sahnige Pürees - das alles gab es nicht. Aber es fehlte mir auch nicht. Interessanterweise fehlte auch der Wein nicht, den ich durch Mineralwasser und Zitronensaft ersetzte, der nicht nur entschlackt, sondern auch animiert. Die dadurch einsetzende Klarheit des Gedankens verschärfte und vertiefte den Geschmack für anderes, vor allem für Gewürze und Kräuter, von denen der Wein sonst gern ablenkt.
Fazit:
Dank Holzfeinds Küche und anderthalb Stunden Schwimmen am Tag brachte ich es auf gute sieben Kilo minus in zwei äußerst genussreichen Wochen. Hier nehme ich gern wieder ab. An "Substanz" mangelt es mir ja immer noch nicht.
Aus Christoph Wagners wöchentlicher Gourmet-Kolumne im NEWS
