Rätselraten um "Battenfeld"-Insolvenz: Adcuram macht Verkauf an GB rückgängig
- Land Niederösterreich: Fülle von Unregelmäßigkeiten"
- Weiterführung des Unternehmens "Hauptanliegen"
Im Insolvenzfall Battenfeld (Kottingbrunn/NÖ) hat es den nächsten Knalleffekt gegeben. Die Münchner Investorengruppe Adcuram Group AG gab bekannt, die Rückabwicklung des Verkaufs des Neumaschinengeschäfts (BKU) mit dem britischen Eigentümer OOD Private Equity Limited vereinbart zu haben. Passieren solle das schon kommende Woche. Das Land Niederösterreich zieht unterdessen rechtliche Schritte in Erwägung.
Die Nachricht aus München platzte mitten in einen Krisengipfel am Standort der Battenfeld Kunststoffmaschinen Ges.m.b.H. Grund für die Rückabwicklung, so Adcuram in einer Presseaussendung: die geäußerten Bedenken über den Käufer. Damit wolle Adcuram "auch den geringsten Zweifel an den Vorgängen ausräumen und verschiedentlich geäußerten Anschuldigungen entgegentreten". Als Eigentümer werde die Investorengruppe "selbstverständlich kooperativ mit dem Masseverwalter" des von der Insolvenz betroffenen Betriebs in Kottingbrunn zusammenarbeiten.
Die geplanten Rückabwicklung des Battenfeld-Verkaufs sei derzeit eine Absichtserklärung, "wir werden im Laufe der nächsten Woche Vollzug melden können", sagte Adcuram-Vorstand Thomas Probst zur APA. Für das Neumaschinengeschäft werde sich "kurzfristig nichts ändern". Der Insolvenzantrag werde nicht zurückgenommen. Und: es sei "nicht geplant" das BKU zu finanzieren, so Probst. Der Grund für die Insolvenz von Battenfeld sei nicht der Eigentümerwechsel gewesen. Vielmehr seien es "die extrem schwierigen und sich verschärfenden Marktbedingungen sowie die Kosten-Strukturen des Unternehmens". Der Eindruck, es handle sich um "dubiose Vorgänge", oder Adcuram hätte sich in unrechtmäßiger oder auch nur unredlicher Weise wirtschaftliche Vorteile verschafft, sei "schlichtweg falsch".
Das von Adcuram am 21. Dezember an OOD Private Equity Limited verkaufte Neumaschinengeschäft von Battenfeld läuft am Sitz in Niederösterreich. Das "unveränder gesunde Servicegeschäft" des Unternehmens hat die deutsche Investorengruppe behalten. Über die OOD Private Equity Limited herrschte am Freitag weiter Unklarheit. Von dem Unternehmen sind im Internet nur eine Londoner Anschrift - Suite 48, 88-90 Hatton Garden, EC1N 8PN - und das Datum der Firmengründung - 20. November 2007 - zu finden, jedoch weder eine Telefonnummer noch eine Internet-Adresse.
Klaus Schneeberger, Klubobmann der Volkspartei im NÖ Landtag, hatte deshalb den Verdacht geäußert, dass es sich um eine "Briefkastenfirma in London" handeln könnte. Battenfeld-Anwalt Markus Fellner schloss sich dieser Vermutung am Freitag an. Die OOD Private Equity Limited sei "offensichtlich wirklich ein Briefkasten".
Zunächst teile LHStv. Ernest Gabmann der APA mit, dass er von Landeshauptmann Erwin Pröll beauftragt sei, sofort Strafanzeige zu erstatten, sollte sich auch nur der geringste Verdacht auf fahrlässige Krida oder andere Unregelmäßigkeiten ergeben. Wenig später erreichte den eben tagenden Krisengipfel die Nachricht von der Rückabwicklung des Verkaufs. Gabmann führte das auf den "Druck" Prölls zurück, was "schlüssig" sei. Nachsatz: "Die Herren haben offensichtlich ein schlechtes Gewissen."
Der Wirtschaftslandesrat sah in der Ankündigung von Adcuram einen "ersten Schritt". Ein "zweiter Schritt" wären "liquide Mittel". Werde das Unternehmen vom Eigentümer nicht gerettet, "wird es rechtliche Schritte geben", bekräftigte Gabmann. Beim Battenfeld-Verkauf habe es eine "Fülle von Unregelmäßigkeiten" gegeben. Allein die Rückabwicklung könne die Firma nicht retten.
Schneeberger bezeichnete die Weiterführung des Unternehmens mit 472 Beschäftigten als "Hauptanliegen". Außerdem gebe es "so viele undurchsichtige Vorgänge in den vergangenen Monaten bis zu einer 'Briefkastenfirma' in London, die jetzt offensichtlich in dem Deal nicht mehr existent ist", deren Hintergründe aufzuklären seien. Nicht zuletzt gehe es um die Reputation der Firma in Kottingbrunn.
Battenfeld-Geschäftsführer Georg Tinschert widersprach Adcuram in einigen Punkten. Dass die Investorengruppe eine "substanziellen Millionenbetrag" zur Verfügung gestellt habe, könne man "so nicht darstellen". Außerdem "erwarte" er das von einem Eigentümer. Battenfeld habe "sehr gute Produkte, einen guten Markt und treue Kunden", betonte Tinschert. In den kommenden Wochen und Monaten werde es darum gehen, "die Vertrauensbasis mit den Kunden zu stabilisieren".
Der zum Masseverwalter bestellte Wiener Neustädter Rechtsanwalt Michael Lentsch soll bis Montagnachmittag einen Liquiditätsplan erstellen. Bis dahin und aus der daraus resultierenden Beurteilung der Situation sei "de facto keine konkrete Aussage" über die Battenfeld-Zukunft zu machen, so Gabmann. Er werde prüfen, ob die Voraussetzungen für die Weiterführung bzw. Sanierung des Unternehmens gegeben seien, sagte Lentsch. Bestehe die Möglichkeit, "werden wir es tun".
Wie die Tageszeitung "Österreich" berichtet, hat die burgenländische Industriegruppe HTI Interesse an einer Übernahme des insolventen Maschinenherstellers. "Wir haben unser Interesse heute per Fax beim Masseverwalter angemeldet", so HTI-Vorstand Nikolaus Kretz. Der Industrielle Hannes Androsch, der zu fünf Prozent an der HTI beteiligt ist, kann sich auch als Privat-Investor ein Mitwirken an einer neuen Zukunft für Battenfeld vorstellen. Auch der Großinvestor Josef Taus hat demnach ein Auge auf das Kottingbrunner Unternehmen geworfen.
Bei den Kreditgebern und Hausbanken der Battenfeld laufen seit gestern ebenfalls die Drähte heiß. "Bei uns klopfen Investoren für Battenfeld an, die wir weiterrouten", hieß es in Gläubigerbankenkreisen zur APA.
(APA/red)

