Ahonen springt zum Sieg in Bischofshofen:
Morgenstern bester Österreicher auf Rang 2
- Tournee-Führung für Finnen vor letztem Sprungevent
- Spitzenreiter Schlierenzauer landet "nur" auf Platz 5
·Austro-"Überflieger" spitzt auf Tourneesieg
Skispringen: Morgenstern
zeigt sich kampfeslustig
·Die ÖSV-Manager setzen auf Kontinuität
Federer gelang mit 'Morgi'
ein weiterer Glücksgriff

Die favorisierten ÖSV-"Adler" haben erstmals bei der 56. Vierschanzen-Tournee ihren Meister gefunden. Nach den Erfolgen von Thomas Morgenstern in Oberstdorf und von Gregor Schlierenzauer in Garmisch-Partenkirchen sprang in der von Innsbruck nach Bischofshofen verlegten dritten Konkurrenz der Finne Janne Ahonen an die Spitze.
Nach den Rängen drei und zwei auf den deutschen Stationen flog der 30-Jährige mit 139,5 und 138,0 Metern zu seinem 33. Weltcupsieg und schob sich vor dem Finale am Sonntag (16:30/live ORF 1) in der Gesamtwertung in die Pole-Position. Der nun zweifache Bi'hofen-Sieger führt 10,9 Punkte vor dem Tages-Zweiten Morgenstern und 22,5 vor dem Tages-Fünften Schlierenzauer.
Zwei Jahre nach seinem bisher letzten Erfolg, ebenfalls auf der Paul-Außerleitner-Schanze, stand Ahonen wieder ganz oben auf dem Podest. Und der "dritte Mann" im Rennen um den Gesamtsieg hat seine jungen Konkurrenten auch da vorerst überflügelt. Bei seiner 16. Tournee-Teilnahme nahm der Familienvater Kurs auf den fünften Gesamtsieg, damit wäre er alleiniger Rekordmann vor dem Deutschen Jens Weißflog. "Ich fühle mich perfekt, Bischofshofen ist anders als die übrigen Schanzen, etwas Spezielles", sagte Ahonen nach seinem achten Tournee-Tagessieg.
Gesamtwertung noch offen
Die Gesamtwertung sei allerdings noch offen. "Da kann alles passieren, es wird ein großer Kampf. Aber ich weiß, dass meine Chancen gut stehen", meinte der Finne, der sich nach dem ersten Durchgang euphorisch wie selten gezeigt und jubelnd den Arm über dem Kopf geschwenkt hatte. Er distanzierte Morgenstern (138,0/132,5) im Finale um 5,5 Meter - da brauchte er auch nicht mehr die Hilfe der Kampfrichter, die seine keineswegs lupenreine Telemark-Landung im ersten Versuch zu hoch bewertet hatten.
In der Tageswertung hatte Ahonen 11,1 Punkte Vorsprung auf Morgenstern und 22,9 auf den Schweizer Simon Ammann, der sich im Finale dank 139 Metern von Rang 18 auf seinen ersten Saison-Podestplatz verbesserte. Für Vorjahressieger Schlierenzauer blieb nur Rang fünf hinter dem Russen Dmitrij Wassiijew.
Morgenstern gönnte Ahonen den Sieg
Der siebenfache Saison-Gewinner Morgenstern gönnte Ahonen den Sieg, gibt die Gesamtwertung aber keineswegs verloren. "Es freut mich für ihn, dass er einen wunderschönen Sieg geholt hat in seiner vielleicht letzten Saison. Aber am Sonntag ist noch alles drinnen, wir werden nochmals angreifen", erklärte der 21-jährige Doppel-Olympiasieger. "Da fehlen sechs oder sieben Meter, da ist noch überhaupt nichts verloren."
Cheftrainer Alexander Pointner sieht die Tournee-Chancen für Morgenstern durchaus intakt. "Es sind noch zwei Sprünge, da können zehn, elf Punkte rasch verspielt sein. Wenn ihm ein optimaler Sprung auskommt, kann es für Janne noch eng werden."
Schlierenzauer hatte sich in der Qualifikation in Topform präsentiert, war auf die Rekordweite von 145,0 Meter geflogen, zwei Meter über der bisherigen Bestmarke des Japaners Daiko Ito (2005). "Das ist absolut an der Grenze, das ist gesundheitsgefährdend", sagte der ORF-Co-Kommentator und Ex-Bischofshofen Sieger Armin Kogler. Und ÖSV-Sportdirektor Toni Innauer führte den folgenden schwächeren Bewerbsprung des 17-jährigen Vorjahressiegers auf dieses Erlebnis zurück. "So etwas geht nicht spurlos an einem vorüber."
Der Stubaitaler suchte aber keine Entschuldigung. "Leider habe ich die Leistung von der Quali nicht in den Wettkampf rübergebracht", sagte Schlierenzauer, der am 7. Jänner 18 Jahre alt wird. Sogar die Gesamtwertung hatte er im frischen Eindruck des Wettkampfes noch nicht abgeschrieben. "Das wird im letzten Sprung entschieden, wir werden voll angreifen, haben nichts mehr zu verlieren." Ahonen sei nicht außer Reichweite. Schlierenzauer: "Ich brauche nur einen 145-Meter-Sprung."
(apa/red)
