Freitag, 4. Jänner 2008

Angst vor Terror-Akt: Dakar-Rallye aus Sicherheitsgründen erstmals abgesagt!

  • Mauretanien: Direkte Bedrohungen gegen Rennen
  • Raphael Sperrer: "Traurig, dass es so was gibt"

Eine an die mauretanischen Behörden gerichtete Drohung des Terrornetzwerks Al-Kaida, Franzosen im Land anzugreifen, hat offenbar maßgeblich zur Absage der Rallye Dakar 2008 beigetragen, wie aus informierten Kreisen in Paris zu erfahren war. Sechs Etappen der Rallye sollte in Mauretanien zurückgelegt werden. Wegen der Gefahr eines Terroranschlags war die berühmte Rallye erstmals abgesagt worden. Terrorgruppen hätten das Wüstenrennen, das am 5. Jänner in Lissabon starten sollte, "unmittelbar bedroht", erklärten die Veranstalter in der portugiesischen Hauptstadt.

Der Inhalt der auf Islamisten-Seiten im Internet verbreiteten Al-Kaida-Drohung war zunächst nicht bekannt. Die Botschaft bekräftigt "den Willen und die Fähigkeit bestimmter Gruppen, die sich zur Al-Kaida zählen, Franzosen in Mauretanien zu treffen", sagte die Quelle in Paris lediglich. Die Drohung stehe im Zusammenhang mit der Ermordung von vier französischen Touristen dort zu Weihnachten. Die mauretanischen Behörden rechneten die Morde der Al-Kaida im islamischen Maghreb zu.

Auch von Geheimdienst-nahen Informanten in Frankreich hieß es, es seien in den vergangenen Wochen Nachrichten der Al-Kaida in der afrikanischen Sahel-Zone abgefangen worden, die Anschlagspläne auf Franzosen im Bereich der Rally-Strecke aufgedeckt hätten. Die französischen Geheimdienste haben in den vergangenen Jahren immer wieder vor Aktivitäten der Al-Kaida im islamischen Maghreb, die sich bis vor einem Jahr Salafistengruppe für Predigt und Kampf nannte, in den Wüstengebieten von Mauretanien, Mali, Algerien und dem Niger gewarnt. Demzufolge sind die rund 500 Islamisten mit Pferden unterwegs, etwa 400 in Algerien, die übrigen in den anderen drei Ländern.

"Keine andere vernünftige Lösung"
Die Veranstalter der Dakar-Rallye, die Amaury Sport Organisation (ASO), hatte erklärt, nach Beratungen mit der französischen Regierung und deren eindringlichen Warnungen hätten sie "keine andere vernünftige Lösung" gesehen, als das traditionsreiche Rennen abzusagen. Die früher als Paris-Dakar bekannte Rallye hätte neun Tage lang durch Mauretanien geführt, bevor sie am 20. Jänner im Senegal geendet hätte.

Nicht nur die Ermordung der französischen Touristen, sondern vor allem "direkte Drohungen" von Terrorgruppen hätten die Veranstalter zu ihrer Entscheidung bewogen. In Lissabon hatten sich schon Dutzende Teams mit letzten technischen Tests auf den Start vorbereitet.

Frankreichs Premierminister Francois Fillon begrüßte die "kluge Entscheidung" der Veranstalter. Seine Regierung habe die Organisatoren seit Wochen vor einer "beträchtlichen" Gefahr in Mauretanien gewarnt. Außenminister Bernard Kouchner sagte, die Region sei unsicher und von Ablegern der Al-Kaida durchdrungen.

Rallye-Leiter Etienne Lavigne hatte nach einer Besprechung mit den mauretanischen Behörden am 27. Dezember noch "Grünes Licht" gegeben und die Entsendung von 3.000 privaten Sicherheitskräften nach Mauretanien als ausreichend erachtet. Die mauretanische Regierung bedauerte die Absage. In einer Aussendung des Außenministeriums in Nouakchott war von "zwei isolierten kriminellen Angriffen", wie es "überall auf der Welt vorkommt", die Rede.

Forderungen nach Schadenersatz
Nach der Absage der 30. Auflage der Rallye wurden erste Forderungen nach Schadenersatz laut. Die Stadt Portimao in Südportugal, durch die der Klassiker führen sollte, verlangte von den Veranstaltern am Freitag 1,5 Millionen Euro für die entstandenen Kosten zurück. Der deutsche Autobauer Volkswagen stellte sich dagegen "uneingeschränkt" hinter die Veranstalter. "Die Sicherheit aller Teilnehmer hat absoluten Vorrang", erklärte das Wolfsburger Unternehmen, wenn man auch "sehr unglücklich" über die Absage sei.

(apa/red)

4.1.2008 20:07