Freitag, 4. Jänner 2008

Erster Tiefschlag für Ex-First Lady: Hilary Clinton bei Iowa-Vorwahl klar unterlegen

  • Weg ins Weiße Haus: Huckabee und Obama siegen
  • Barack Obama: "Ich werde ein guter Präsident sein!"
    Demokraten feierten Rekord bei Wahlbeteiligung!

Der demokratische Senator Barack Obama und der ehemalige Gouverneur und Baptisten-Prediger Mike Huckabee von der Republikanischen Partei haben sich in den ersten Vorwahlen im Rennen um die US-Präsidentschaft durchgesetzt. Obama gewann bei der parteiinternen Entscheidung in Iowa klar gegen die landesweit als Favoritin gehandelte Senatorin und ehemalige First Lady Hillary Clinton. Den früheren Senator John Edwards verwies er auf den zweiten Platz. Huckabee setzte sich mit deutlichem Vorsprung gegen seinen Konkurrenten Mitt Romney durch.

Sein Triumph im US-Staat Iowa zeige, dass die "Zeit für den Wandel gekommen" sei, erklärte Obama vor jubelnden Anhängern in Des Moines. Dabei beschwor der Sohn eines Kenianers und einer weißen US-Amerikanerin die Einheit der Nation. Er wolle ein Präsident sein, "der diesen Krieg im Irak beendet und unsere Truppen endlich nach Hause bringt, unser moralisches Ansehen wiederherstellt", sagte der Senator von Illinois. Im Fall eines Sieges bei der Präsidentenwahl am 4. November würde der 46-Jährige der erste schwarze Präsident der USA.

Obama erzielte rund 38 Prozent der Stimmen. Edwards und Clinton kamen mit knapp unter dreißig Prozent auf den zweiten und dritten Platz. Die Ex-First Lady gratulierte Obama und Edwards und sprach von einer "großartigen Nacht für die Demokraten". Die hohe Wahlbeteiligung deute auf einen Sieg des demokratischen Kandidaten bei der Präsidentenwahl hin, erklärte Clinton. Für den Machtwechsel im Weißen Haus werde sie sich weiterhin so stark wie möglich engagieren. Bereits am 8. Jänner findet im Staat New Hampshire die nächste Vorwahl statt.

Ex-Baptistenprediger siegte klar
Huckabee sprach von einem neuen Tag in der US-Politik. "Heute haben wir bewiesen, dass die amerikanische Politik noch in den Händen von Leuten wie Ihnen liegt", rief der frühere Gouverneur von Arkansas seinen Wähler zu. Der Ex-Baptistenprediger erzielte 34 Prozent der Stimmen, neun Punkte mehr als Romney, der deutlich mehr Geld in seinen Wahlkampf gesteckt hatte. Erste Wahlnachfragen zeigten, dass Huckabee in dem ländlich strukturierten Staat mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern vor allem von evangelikalen Christen gewählt wurde. Sein Hauptgegner Romney ist Mormone, was vermutlich auf Vorbehalte stieß.

Abgeschlagen dahinter rangierten der Senator John McCain und der frühere Schauspieler Fred Thompson mit jeweils rund 13 Prozent. New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani hatte sich im ländlichen Iowa wegen seiner für einen Republikaner vergleichsweise liberalen Einstellungen ohnehin kaum Chancen ausgerechnet.

Junge und Frauen für Obama
Obama überzeugte ersten Erkenntnissen der Wahlforscher zufolge vor allem bei jungen Wählern, aber er schaffte es auch, mehr Frauen als Clinton von seiner Botschaft des Wandels zu überzeugen. Der farbige Politiker gewann zudem in einem Bundesstaat, in dem weniger als drei Prozent der Bevölkerung Schwarze sind.

Für seine beiden innerparteilichen Konkurrenten Chris Dodd und Joseph Biden ist das Rennen hingegen gelaufen. Sie schnitten in Iowa so enttäuschend ab, dass sie noch am Abend das Handtuch warfen. Der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, erklärte, er wolle erst einmal den "Kampf bis nach New Hampshire" weiterführen.

Die Abstimmungen in Iowa gelten als der erste Stimmungstest und haben daher große Symbolkraft: Wer in dem kleinen Mittelweststaat in Führung geht, dessen Kampagne bekommt Aufwind. Schätzungen zufolge gab es trotz klirrender Kälte eine Rekordbeteiligung: Bei den Demokraten stimmten rund 239.000 Menschen ab, deutlich mehr als die 124.000 beim letzten Mal. Bei den Republikanern lag die Zahl der Wähler bei schätzungsweise 115.000 gegenüber knapp 88.000 bei der letzten Vorwahl. Die hohe Wahlbeteiligung, besonders bei den Demokraten, könnte ein erster Indikator der Stimmungslage im Land nach acht republikanischen Regierungsjahren sein.
(APA/red)

4.1.2008 15:56