Mittwoch, 2. Jänner 2008

In Schulen, Bibliotheken und Wohnungen:
Bei "Census" wird mit Hand und Fuß gewählt

  • Jeweilige Parteimitglieder wählen ihren Kandidaten

Die mehr als 1.700 Wahlversammlungen, auf denen Konservative und Demokraten in Iowa ihre Favoriten für die Präsidentschaftswahl bestimmen, sind eine besonders urwüchsige Form der Basisdemokratie. Die jeweiligen Parteianhänger treffen sich dafür in Schulen, Kirchen oder Bibliotheken zu den sogenannten Caucuses. Das Wort stammt aus der Indianersprache und bezeichnete ursprünglich einen Stammesrat. Die Demokraten treffen sich um 18:30 Uhr, die Republikaner um 19:00 Uhr. Die Versammlungen dauern eineinhalb bis zwei Stunden.

Das Vorgehen bei den Republikanern ist einfach: Jeder Caucus-Teilnehmer schreibt den Namen seines Favoriten auf einen Zettel, dann wird ausgezählt. Komplizierter ist es bei den Demokraten: Hier wird buchstäblich mit den Füßen abgestimmt. Die Teilnehmer werden gebeten, sich in jene Ecke des Saals zu begeben, die mit dem Namen ihres Lieblingskandidaten gekennzeichnet ist. Wahlgeheimnis gibt es also nicht, es wird Kopf für Kopf durchgezählt.

Eine Besonderheit der Demokraten in Iowa ist die 15-Prozent-Hürde: Gruppieren sich in einer Kandidatenecke weniger als 15 Prozent der Teilnehmer einer Wahlversammlung, sind deren Stimmen nicht gültig. Sie haben dann 30 Minuten Zeit, um sich dem Lager eines anderen Kandidaten anzuschließen oder aus der Wahlversammlung auszuscheiden. Diese Möglichkeit zur Zweitpräferenz macht es Demoskopen besonders schwer, das Ergebnis des Votums in Iowa vorherzusagen.

Zu den Wahlversammlungen beide Parteien sind nur registrierte Parteianhänger zugelassen. Beitritte und Parteiwechsel sind zu Beginn der Versammlungen erlaubt. Wegen des aufwendigen Verfahrens nimmt gewöhnlich nur eine kleine Zahl der Parteianhänger an den Caucuses teil. 2004 waren es etwa bei den Demokraten lediglich 22 Prozent der in Iowa registrierten Parteianhänger, ungefähr 124.000 Menschen - im Vergleich zur US-Gesamtbevölkerung von 300 Millionen eine winzige Zahl, der politisch aber großes Gewicht zukommt.

(apa/red)

2.1.2008 15:46