Sonntag, 6. Jänner 2008

Bushs Nahost-Besuch unter schlechtem Stern: Al-Kaida ruft im Netz zu Mord auf

  • 50-minütige Botschaft im Internet veröffentlicht
  • Hamas lehnen Besuch ab - sei lediglich "Fototermin"

Das Terrornetzwerk Al-Kaida will US-Präsident George W. Bush bei seiner am 9. Jänner beginnenden Nahost-Reise "mit Bomben und mit Sprengstoff gefüllten Autos empfangen". Das geht aus einer im Internet veröffentlichten Videobotschaft des US-Bürgers Adam Gadahn hervor, der sich der Al-Kaida angeschlossen hat. Trotz wieder aufflammender Gefechte zwischen Israelis und Palästinensern wollten beide Seiten noch vor dem Bush-Besuch weitere Friedensverhandlungen aufnehmen. Israels Premier Ehud Olmert erklärte allerdings, das Militär werde hart gegen Extremisten in dem von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifen vorgehen.

In der Videobotschaft erklärte der aus Kalifornien stammende Gadahn, Bushs Nahost-Politik habe auf ganzer Linie versagt. Der Aufruf zu Anschlägen an "unsere militanten Brüder" wurde auf Arabisch gehalten, den Rest der Rede sprach Gadahn, der von der US-Bundeskriminalpolizei FBI im Zusammenhang mit Terrordrohungen gesucht wird, auf Englisch. Das Christentum nannte er "gegenstandslos und von Zweifeln erfüllt". Er rief die Amerikaner auf, zum Islam überzutreten. An einer Stelle des rund 50 Minuten langen Films zerriss Gadahn seinen US-amerikanischen Pass.

Die Aufnahme wurde auf mehreren Internetseiten veröffentlicht, die von verschiedenen Al-Kaida-nahen Gruppen genutzt werden. Gadahn, der sich derzeit vermutlich in Pakistan aufhält, war bereits mehrfach in Video-Botschaften der Al-Kaida aufgetreten.

Erstmals seit Präsidentschaft im Nahem Osten
Bush reist Mittwoch erstmals während seiner Präsidentschaft für drei Tage nach Nahost, um zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln. Die radikale Hamas kritisierte den Besuch als reinen Foto-Termin. Der Iran warf den USA Einmischung im Nahen Osten vor. Die Regierung in Washington wolle mit derartigen Besuchen lediglich ihre gescheiterte Nahost-Politik kompensieren, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran. Israels Präsident Shimon Peres zeigte sich hingegen zuversichtlich, dass Bush die stockenden Friedensverhandlungen in Schwung bringen könne.

Treffen zwischen Olmert & Abbas
Zuvor wollen Olmert und der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas ein weiteres Mal zusammenkommen, wie der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat mitteilte. Dabei steht Olmert unter verstärktem innenpolitischen Druck. Sein Koalitionspartner Yisrael Beiteinu drohte erneut mit dem Ende des Bündnisses, falls die Regierung Verhandlungen über eine Auflösung von jüdischen Siedlungen führe.

Trotz der bevorstehenden Wiederaufnahme der Gespräche kündigte Olmert ein hartes Durchgreifen gegen Extremisten im Gaza-Streifen an. Der jüngste Angriff auf Ashkelon mit einer aus dem Gaza-Streifen abgefeuerten Rakete mit größerer Reichweite stelle eine "Eskalation der Terroraktivitäten" dar. Israel werde weiterhin "in jeder Ecke des Gaza-Streifens" gegen militante Kräfte zuschlagen, betonte der Premier während der Kabinettssitzung.

Mehrere israelische Angriffe
In dem Gebiet wurden bei mehreren israelischen Angriffen auf militante Palästinenser insgesamt fünf Menschen getötet und neun weitere verwundet, darunter auch vier Kinder, wie die Gesundheitsbehörde in Gaza berichtete. Unter den Toten sollen auch mehrere Zivilpersonen sein. Auf israelischer Seite wurden fünf Soldaten verwundet, einer davon schwer. Damit sind seit der Eskalation der Kämpfe am Donnerstag 17 Bewohner des Gaza-Streifens getötet worden, darunter fünf Zivilpersonen.

Die Hamas meldete den Abschuss von drei Raketen auf Israel. Die israelische Luftwaffe nahm am frühen Morgen eine Raketenstellung im Norden des Gaza-Streifens unter Beschuss. Dabei wurde ein bewaffneter Palästinenser getötet. Im Westjordanland schlossen die israelischen Truppen am Sonntag einen viertägigen Militäreinsatz in Nablus und Umgebung ab. Bei den Razzien wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 40 Bewohner verletzt. Etwa 20 militante Palästinenser wurden gefangen genommen.

Der abgesetzte palästinensische Premier Ismail Haniyeh bat den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy unterdessen um Vermittlung im Nahost-Konflikt und in der innerpalästinensischen Krise. In einem am Sonntag veröffentlichten Brief schrieb der Hamas-Politiker an Sarkozy, er wünsche sich "alle internationalen Anstrengungen", die zu einer Verbesserung der Sicherheit in der Region führen könnten.

(apa/red)

6.1.2008 21:18