Samstag, 5. Jänner 2008

Zwei Verletzte in Neapel: Heftiger Streit um wieder eröffnete Mülldeponie fordert Opfer

  • 200 Demonstranten attackierten Polizei-Eskorte
  • Italienische Stadt versinkt zunehmend im Müll

In Pianura, einem Vorort von Neapel, ist es zu weiteren Spannungen gekommen, weil eine seit 1996 geschlossene Mülldeponie wieder geöffnet wurde. Rund 200 Demonstranten, die sich gegen die Wiedereröffnung der Deponie wehrten, attackierten einige Polizisten, die Lkw für die Müllabfuhr eskortiert hatten. Die Polizisten wurden mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Bei den Krawallen wurden zwei Personen verletzt.

Die Demonstranten behaupten, dass die Deponie von Pianura, die sich unweit eines Naturschutzgebiets befindet, die öffentliche Gesundheit gefährdet. Sie blockierten aus Protest gegen die chronische Müllkrise die Schienen der Bahnlinie Rom-Neapel in der Nähe der Ortschaft Pozzuoli. Die Züge mussten umgeleitet werden, was zu erheblichen Verspätungen führte.

Müll türmt sich auf Straßen
Inzwischen türmt sich der Unrat auf den Straßen des Großraums von Neapel. Riesige Misthaufen wurden immer wieder in Brand gesetzt. Die Feuerwehr musste öfters ausrücken. Der Bürgermeister der Ortschaft San Giorgio a Cremano beschloss, dass die Schulen am Montag nach der Weihnachtspause nicht öffnen werden. "Es bestehen konkrete Gefahren für die Gesundheit."

Müllnotstand ausgerufen
Die italienische Regierung hatte in der Region Neapel erstmals 1994 den Müllnotstand ausgerufen. Dieser wird seither alljährlich erneuert. Neben der Überlastung der Deponien spielt auch die Camorra in dem Konflikt eine Rolle. Die illegale Müllentsorgung ist nach Ansicht von Experten nach dem Drogenschmuggel die wichtigste Einnahmequelle der örtlichen Mafia.

(apa/red)

5.1.2008 14:17