Donnerstag, 3. Jänner 2008

"Töten den Geist der Annapolis-Konferenz":
Wohnsiedlungen im Gaza unter Beschuss

  • Israel: Rakete schlägt in der Stadt Aschkelon ein
  • Mindestens acht Tote darunter drei Zivilpersonen

Bei einem der größten Militäreinsätze der vergangenen Monate haben israelische Panzer und Kampfflugzeuge verschiedene Ziele im Gazastreifen angegriffen und dabei mindestens acht Menschen getötet, darunter drei Zivilpersonen. Mehr als 30 Menschen wurden nach Angaben eines palästinensischen Krankenhauses verletzt, auch fünf Kinder. Die Militäraktion galt wie ähnliche Operationen in den vergangenen Wochen Extremisten, die mit Raketen auf den Süden Israels schießen.

Ein Sprecher des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas verurteilte die Angriffe scharf. Die Israelis würden wenige Tage vor dem Besuch des US-Präsidenten George W. Bush in der Region bewusst jede Hoffnung auf Frieden zerstören, sagte Nabil Abu Rudeina. "Sie töten den Geist der Annapolis-Konferenz".

Raktete in Ashkelon
Während der Kämpfe schlug nach Angaben der israelischen Streitkräfte eine in Gaza abgefeuerte Rakete im Norden der israelischen Stadt Ashkelon ein. Dort leben 120.000 Menschen. Es war eine der längsten Flugstrecken, die eine solche Rakete aus dem Gazastreifen zurücklegte. Die israelische Polizei gab die Entfernung mit 17 Kilometern an. Durch palästinensischen Raketenbeschuss kamen in den vergangenen sechs Jahren zwölf Israelis ums Leben.

Die Kämpfe in Gaza begannen laut Augenzeugen kurz nach Mitternacht am 3. Jänner, als israelische Truppen begleitet von zehn Panzern in ein Gebiet östlich von Khan Younis eindrangen. Dabei wurden Soldaten in einem Haus eingeschlossen. Daraufhin feuerten Kampfflugzeuge mindestens neun Raketen ab, von denen nach Angaben von Ärzten zwei Kämpfer getötet und neun verletzt wurden. Später feuerte ein israelischer Panzer eine Granate auf ein Haus. Dabei kamen ein Kämpfer des Islamischen Jihads, seinen Bruder, seine Mutter und seine 19-jährige Schwester ums Leben, sechs weitere Menschen wurden verletzt, wie die Familie erklärte.

Die israelischen Streitkräfte erklärten, zu den Kämpfen sei es in einem Wohnviertel gekommen. Extremisten hätten aus Häusern heraus auf die Soldaten geschossen. Augenzeugen zufolge zerstörten die Soldaten ein Haus, einen Hühnerstall und zwei Gewächshäuser. Erst kurz zuvor hatten israelische Soldaten bei einem Vorstoß in den Gazastreifen sieben militante Palästinenser getötet.

Ein israelisches Kampfflugzeug beschoss Augenzeugenberichten zufolge ein Wohnhaus im Gazastreifen. Mohammed Dadouh von der militanten Gruppe Islamischer Jihad soll darin gewohnt haben. Er wurde jedoch bereits in der vergangenen Woche bei einem Luftangriff der israelischen Streitkräfte getötet. Nach dem Einschuss stieg aus dem zerstörten Haus eine dicke Wolke schwarzen Rauchs auf. Das Gebäude war offenbar leer, neun Passanten wurden jedoch verletzt.

(apa/red)

3.1.2008 16:49