Montag, 14. Jänner 2008

Neuer Erfolg gegen Kinderpornografie: Über 100 Verdächtige in Österreich ausgeforscht

  • Polizei ermittelt weltweit gegen rund 2.500 "Kunden"
  • Großangelegte Operationen "Sinon" und "Orangebill"

107 Tatverdächtige haben das Bundeskriminalamt (BK) und die Landeskriminalämter bei zwei Operationen gegen Kinderpornografie im Internet in Österreich ausgeforscht, berichtete das BK. Bei beiden Aktionen mit den Namen "Orangebill" und "Sinon" wurden Männer zwischen 22 und 78 Jahren als mutmaßliche Täter ermittelt. Einige der Verdächtigen von "Sinon" hatten beruflich engen Kontakt zu Kindern.

Die Operation "Orangebill" nahm ihren Ausgang in den Vereinigten Staaten. Dabei stellten die US-Behörden die finanziellen Aspekte bei der Verbreitung von Kinderpornografie über das Internet in den Vordergrund. Es wurden gezielt Personen ins Visier genommen, die Abrechnungsdienste für Kinderpornografie-Websites anboten oder vom finanziellen Erlös profitierten. Per Gerichtsbeschluss erhielten die Ermittler von Kreditkartenfirmen die Daten der Verdächtigen, dann folgten Hausdurchsuchungen, erklärte der Internetermittler des BK, Harald Greml, im APA-Gespräch.

Weltweit wurden rund 2.500 Kunden ausgeforscht. In Österreich konnten 27 Verdächtige ermittelt werden: Neun stammen aus Wien, vier aus Niederösterreich, fünf aus Oberösterreich und zwei aus Salzburg. Weiters wurden drei Steirer und vier Tiroler ausgeforscht, so Greml. Bei den Verdächtigen handelte es sich um Männer, die beruflich "quer durch den Gemüsegarten" tätig seien, meinte der Ermittler.

Hingegen hatten einige der insgesamt 80 Österreicher, die im Rahmen von "Sinon" ausgeforscht wurden, beruflich engen Kontakt zu Kindern: Unter den Verdächtigen fanden sich ein Sozialpädagoge, ein Erzieher, ein Hauptschullehrer, ein Schulwart und Ärzte, wie Greml erklärte. 26 der Verdächtigen kamen aus Wien, zwölf aus Niederösterreich, sieben aus Tirol, drei aus dem Burgenland und neun aus Oberösterreich. Vier Vorarlberger, fünf Kärntner sowie zwei Salzburger und zwölf Steirer wurden ebenfalls ermittelt.

Kinderporno als Bildschirmschoner
Ein 44-jähriger Wiener, dessen PC bei der Hausdurchsuchung online war, hatte als Bildschirmschoner ein Foto verwendet, das er selbst beim Missbrauch seiner zehnjährigen Stieftochter angefertigt hatte. Er wurde in Untersuchungshaft genommen, so Greml. Seine Lebensgefährtin gab an, von den Taten nichts gewusst zu haben.

Zur Operation "Sinon" führten übrigens Hinweise aus Deutschland. Bei einem Internetdienst konnten zwei Videodateien, die den schweren sexuellen Missbrauch eines zwölfjährigen blonden Mädchens und eines zehnjährigen asiatischen Mädchens zeigten, sichergestellt werden. Die Dateien waren auf einem sogenannten File-Hoster hochgeladen und die Links zu den Videos in diverse Foren gestellt worden, erklärte der BK-Ermittler. Das Unternehmen hatte schließlich die Exekutive alarmiert und die automatisch gespeicherten Logfiles der verdächtigen User übergeben. In beiden Operationen wurden die Verdächtigen im Laufe des vergangenen Jahres ausgeforscht.
(apa/red)

14.1.2008 07:22