Sonntag, 30. Dezember 2007

Pakistanische Regierung unter Verdacht: Ist
sie verantwortlich für den Tod von Bhutto?

  • Letzte Worte der Politikerin waren: 'Lang lebe Bhutto!'
  • Bhutto starb durch eine Schussverletzung im Hals
    TV-Video zeigt Momente von Bhuttos Ermordung

Die letzten Worte der ermordeten pakistanischen Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto sind laut Aussagen eines engen Vertrauten "Lang lebe Bhutto" gewesen. Die frühere Premierministerin habe diese Worte aus ihrem Auto heraus den Menschen zugerufen, sagte ihr Berater Safdar Abbassi gegenüber der britischen Tageszeitung "The Sunday Telegraph". Kurz danach sei sie getötet worden. "Sie sagte nichts anderes mehr", berichtete Abbassi, der eigenen Angaben zufolge mit der Politikerin im Auto saß.

Abbassi bekräftige die Version von Bhuttos Volkspartei PPP, wonach die Oppositionsführerin erschossen wurde. "Ich habe sie gesehen: Sie sah so aus, als ob sie sich geduckt hätte, als sie die Schüsse hörte. Wir haben nicht sofort verstanden, dass sie getroffen war", berichtete Abbassi der Zeitung. Bhutto sei durch das Schiebedach zurück in das Wageninnere geglitten. Sie habe keinen Laut von sich gegeben. Dann habe er eine tiefe Schusswunde an der linken Halsseite bemerkt, die stark blutete.

Bhutto starb durch Schussverletzung
Abbassi erzählte dem "Sunday Telegraph", seine Frau Naheep Khan habe Bhuttos Kopf auf ihren Schoß genommen und mit ihrem Kopftuch versucht, die Blutung zu stoppen. In ersten Berichten zu Bhuttos Tod hatte es geheißen, sie sei erschossen worden, kurz bevor sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe ihres Wagens in die Luft gesprengt hatte. Das Innenministerium hatte wenig später jedoch versichert, Bhuttos Leichnam habe keine Schuss- oder Splitterwunden aufgewiesen. PPP-Sprecher wiesen diese Angaben entrüstet zurück.

"Sie lächelte und war sehr glücklich", erinnerte sich Abbassi an Bhuttos letzte Momente. "Ich kann nicht glauben, dass sie nicht mehr bei uns ist", sagte der Chefberater nach Angaben der Zeitung.

Der pakistanische Fernsehsender DawnNews zeigte Aufnahmen, auf denen ein junger Mann mit Sonnenbrille und hellbrauner Jacke zu sehen ist, der mehrere Schüsse auf die Oppositionspolitikerin abgibt. Auf den Bildern ist auch zu erkennen, dass Bhutto, die aus einem offenen Dachfenster eines Geländewagens heraus ihren Anhängern zugewunken hatte, nach den Schüssen ins Wageninnere zusammensackt, bevor sich ein Komplize des Schützen mit einer Bombe in die Luft sprengt.

Die Regierung hatte hingegen erklärt, dass Bhutto nicht Schussverletzungen, sondern einer Schädelfraktur erlegen sei, die sie erlitten habe, als sie durch die Wucht der Bombenexplosion gegen einen Hebel des Sonnendachs am Wagen gestoßen wurde.

Al Kaida nicht verantwortlich für Bhuttos Tod
Der radikalislamische Kriegsherr Baitullah Mehsud hat eine Verwicklung in die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto bestritten. Ein Sprecher Mehsuds wies die Anschuldigung gegenüber mehreren Nachrichtenagenturen als "Regierungspropaganda" zurück. "Wir bestreiten das entschieden. Baitullah Mehsud ist nicht in den Tod Benazir Bhuttos verwickelt", sagte er etwa der AP am Telefon.

Auch die Partei der ermordeten pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto hat Angaben der Regierung unterdessen zurückgewiesen, wonach das Terrornetzwerk Al Kaida und Mehsud für das Attentat verantwortlich seien. Diese Geschichte erscheine fingiert und nicht zutreffend, erklärte Farhatullah Babar, ein Sprecher Pakistanischen Volkspartei (PPP). Die Regierung versuche damit abzulenken. Bhutto habe der Regierung in der Vergangenheit von "Elementen" außerhalb der Al Kaida berichtet, die sie gefährden könnten, doch sei diesbezüglich nie ermittelt worden.

TV-Sender zeigt Bhutto-Attentäter
Ein pakistanischer TV-Sender hat Fotos von zwei angeblichen Attentätern bei dem tödlichen Anschlag auf Oppositionsführerin Benazir Bhutto gezeigt. Die insgesamt drei Aufnahmen stammten von einem Amateurfotografen, berichtete "Dawn News Television". Die Fotos sind relativ unscharf.

Ein von dem Sender ausgestrahltes Bild zeigt zwei Männer in der Menge vor dem Park, in dem Bhutto unmittelbar vor dem Anschlag eine Wahlkampfrede hielt. Der eine ist rasiert, trägt Sonnenbrille, ein weißes Hemd und eine dunkle Jacke oder ein Anzugsjackett. Hinter ihm steht der andere mit einem weißen Tuch als Kopfbedeckung. Dieser Mann sei vermutlich der Selbstmordattentäter, berichtete der Sender. Die beiden anderen Bilder zeigen den Mann mit der Sonnenbrille, wie er mit einer Pistole auf die ehemalige Premierministerin zielt, als sie aus dem Park herauskommt. Er scheint etwa drei Meter von Bhutto entfernt auf der linken Seite ihres schusssicheren Fahrzeuges zu stehen. Ihr Gesicht ist von ihm abgewandt, als er auf sie zielt.

Laut Polizei wurden drei Schüsse auf Bhutto abgegeben, kurz bevor ein Selbstmordattentäter seinen Sprengsatz zündete. Neben Bhutto wurden 23 Menschen getötet. Die Ermittler haben nicht gesagt, wie viele Attentäter beteiligt waren. Nach Angaben des Innenministeriums starb die Politikerin an einem Schädelbruch, den sie erlitt, als ihr Kopf durch die Wucht der Explosion auf einen Hebel des geöffneten Schiebedaches ihres Fahrzeuges prallte. Parteifreunde wiesen diese Darstellung zurück und sagten, die 54-Jährige sei durch einen Schuss in den Kopf getötet worden.

Witwer spricht zu den Menschen
Bhuttos Witwer Zardari sagte vor einer Menschenmenge: "Benazir Bhutto hat ihr Leben für dieses Land und für die Demokratie geopfert. Aber ihr Blut wird nicht umsonst vergossen sein. Bhutto wird in den Herzen des Volkes weiterleben." (APA/red)

30.12.2007 14:53