Reifendruckkontrollsysteme im Praxistest: Der ÖAMTC nahm 14 Systeme unter die Lupe
- Direkte Varianten schnitten durchwegs besser ab
- Verbesserungen trotz Sicherheitsgewinn möglich
·Reifendruckkontroll- systeme im Praxistest
14 Systeme vom ÖAMTC ordentlich durchgecheckt
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Wer mit dem falschen Reifendruck fährt, braucht durchschnittlich rund 75 Liter mehr Sprit pro Jahr. Außerdem kann das Fahrverhalten des Autos unkontrollierbar werden, warnt ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke. Auch ABS und ESP funktionieren nur mit exaktem Luftdruck einwandfrei. Jedoch: 50 Prozent der Österreicher sind mit falschem Reifendruck unterwegs! Aus diesem Anlass testete der Autofahrerclub 14 aktuelle Reifendruckkontrollsysteme.
Auf dem Prüfstand standen Serien- und Nachrüstmodelle in drei Funktionsweisen, die ihre Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit beweisen mussten. Dabei schnitten direkt messende Systeme durchwegs 'gut' ab, zwei sogar 'sehr gut'. Aber auch indirekt messende Systeme und gute Ventilkappensysteme sind ein erster Schritt zu mehr Sicherheit, können aber noch um einiges verbessert werden.
Direkt messende Systeme
Sie verfügen über einen Druck- bzw. Druck-Temperatursensor, der im Reifeninneren an der Felge angebracht ist. Per Funk wird der Momentandruck an einen Empfänger im Fahrzeug gesendet. Dadurch lässt sich auch z.B. der Druckverlust eines einzelnen Rades ('schleichender Patschen') rechtzeitig feststellen. Nachteilig ist, dass jedes Rad einen Sensor braucht und der zweite Reifensatz nachgerüstet werden muss. Das kann immerhin bis zu 300 Euro kosten. Getestet wurden in dieser Funktionsweise das Opel Vectra Reifendruck-Kontrollsystem, das Tiremoni Checkair TM-100, das Seehase SmarTire Premium, das Hella TC 400, das Car Guard Systems Wheel Control, das Renault Scenic und das Waeco Magic Control MTPM100. Wobei letzteres als einziges nur ein "befriedigend" ausfasste, weil es viel zu lange braucht, bis es den Luftverlust meldet. Das Tiremoni Checkair TM-100 und das Opel Vectra Reifendruck-Kontrollsystem gingen mit der Bewertung "sehr gut" als eindeutige Testsieger hervor.
Indirekte Messsysteme
Sie vergleichen die Raddrehzahlen mittels Sensoren, die in den meisten Fahrzeugen für ABS und ESP ohnehin eingebaut sind. Bei Druckabfall an einem Rad verringert sich der Abrollumfang des Rades, es wird kleiner. Dadurch steigt die Drehzahl des Rades an und das System erkennt den Druckverlust. Diese Ausführung ist viel günstiger als direkt messende Systeme. Allerdings warnt das indirekte Messsystem nur vor einem Druckverlust, ohne exakt anzuzeigen an welchem der vier Räder. Gleichmäßiger Druckverlust an allen vier Rädern wird nicht erkannt. Runflatreifen bleiben auch bei völligem Druckverlust am Rad und bringen damit Notlaufeigenschaften auf mindestens 80 km ohne Reifenwechsel. Hier ist zumindest diese indirekte Druckanzeige zwingend vorgeschrieben. Getestet wurde der Mercedes B-Klasse Reifendruckverlust-Warner, der Skoda Fabia Reifendruckverlust-Warner, die Seat Leon Reifenkontrollanzeige, das Kufatec (Nachrüstkit für Golf V) und das Opel Astra DDS. Alle sind durchgehend "befriedigend".
Ventilkappensystem
Das ist eine einfache Anzeige auf den Ventilkappen, preisgünstig und sofort einsetzbar. Der Nachteil ist, dass man über keine Druckanzeige im Auto informiert wird, sondern lediglich den Reifendruck außen am Rad ablesen kann. Die getesteten Hansen Styling Parts AIR-SAVE-Ventilkappen haben den Test nicht bestanden und wurden mit "mangelhaft" beurteilt, denn kommt es bei diesen Ventilkappen zu einer Beschädigung, kann die Luft entweichen, ohne dass der Fahrer das merkt. Außerdem sind sie ein gefundenes Fressen für Diebe, weil die Ventilkappen ohne Spezialschlüssel aufgeschraubt werden können. Besser schlägt sich, mit der Bewertung "ausreichend", die diebstahlsichere Ventilkappe Pirelli K-Pressure Optic. Auch bei Beschädigung der Ventilkappe wurde kein unkontrollierter Luftverlust festgestellt.
Fazit
Direkte Luftkontrollsysteme schneiden am besten ab, sind aber auch teuer als die anderen beiden. Bei indirekten Druckkontrollsystemen über ABS-Signal wird der Druckverlust ohne Angabe des Rades prompt gemeldet, also ein echter Sicherheitsgewinn zu akzeptablen Kosten. Gute Ventilkappensysteme sind ein sehr preiswerter Einstieg zu mehr Sicherheit, zumal fast niemand die regelmäßige Reifendruckkontrolle durchführt. "Obwohl alle Systeme noch verbessert werden sollten, ist jedes besser als gar kein Reifendruckkontrollsystem", sagt Matzke abschließend. (red)
