Montag, 14. Jänner 2008

Neuer Großauftrag: BMW lässt neuen Gelände- Mini bei Magna Steyr in Graz bauen

  • Magna freut sich über Deal: "Große Anerkennung"
  • Rund 60.000 Fahrzeuge ab Herbst 2010 am Markt

Der deutsche Autohersteller BMW lässt seinen neuen Geländewagen, das Mini Sports Activity Vehicle (SAV), bei der Magna Steyr Fahrzeugtechnik in Graz bauen. Laut Branchenkreisen sollen rund 60.000 Fahrzeuge jährlich produziert werden. Das Modell wird voraussichtlich im Herbst 2010 auf den Markt kommen.

Für das Magna Steyr-Werk in Graz-Thondorf ist die Auftragsvergabe durch BMW zum Bau des neuen Mini-Geländewagens mit dem Arbeitstitel "Colorado" überaus wichtig. Wie berichtet steuert die Fabrik in Graz-Thondorf seit längerem auf eine massive Auftragslücke zu. Neben der per Jahresende 2006 beendeten Produktion für den Mercedes E ist dieser Tage der letzte Chrysler Voyager vom Band gelaufen. 2009 endet der Auftrag für den Jeep Grand Cherokee, im Jahr darauf die Produktion des BMW X3.

Im dritten Quartal des letzten Jahres hatte Magna Steyr um ein Viertel weniger Autos produziert wie im Vergleichszeitraum 2006. Die Belegschaftsvertretung in Graz reagierte erleichert: "Damit ist die Auslastung des Standortes gesichert", sagte Arbeiterbetriebsrat Thomas Stoimaier. Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (V) gratulierte zum BMW-Auftrag.

Das von Mini-Design und BMW-Ingenieuren entwickelte Fahrzeugkonzept wurde an Magna Steyr Fahrzeugtechnik zur Serienentwicklung und späteren Produktion übergeben. Fahrwerks- und Antriebsentwicklung werden im Wesentlichen von BMW durchgeführt, zudem gestaltet BMW auch die Vereinbarungen mit Lieferanten, Magna soll die Beschaffung in der Serienphase übernehmen.

Bis zuletzt hatte auch der angeschlagene deutsche Auftragsproduzent Karmann in Osnabrück um diesen Auftrag gerungen. Der niedersächsische Kabriospezialist, der größte Arbeitgeber der Region, sei schließlich sogar zu Kosteneinsparungen in dreistelliger Millionenhöhe bereit gewesen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Der Produktionsauftrag für den "Colorado" hätte das Überleben des Karmann-Werks in Rheine über Jahre gesichert.

Auch die deutsche Politik hatte sich massiv für den Auftrag eingesetzt: "Alle haben sich bemüht um dieses Auto", sagte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Für ihn ist es "unverständlich, dass der Auftrag nicht nach Niedersachsen geht". Zuvor hatten bis zu 9.000 Menschen vor dem Rathaus Osnabrück für die Rettung des Traditionswerks demonstriert.

Siegfried Wolf, Co-CEO von Magna International sprach dagegen von einem "weiteren Meilenstein in der langjährigen sehr guten Kooperation mit BMW". Der Münchner Autobauer sieht sieht darin einen "effizienten Weg, das im Rahmen der strategischen Neuausrichtung geplante profitable Wachstum mit neuen Modellen voranzutreiben". Mit der Auslagerung der Produktion an Magna steige die Flexibilität im eigenen Produktionsnetzwerk. Damit könne das Mini-Stammwerk in Oxford seine Kapazität von mittelfristig 260.000 Einheiten vollständig auf die Nachfrage nach den Modellen Mini, Mini Cabrio und Mini Clubman ausrichten.

(apa/red)

14.1.2008 09:32