Ingrid Thurnher - Lehrpult statt Fernsehen:
WOMAN bat die Fernsehlady zum Interview
- ORF-Nachrichtensprecherin auf ungewohntem Terrain
- Die Moderatorin tourt durch die Schulen Österreichs

Die "ZiB"-Moderatorin talkt auf ungewohntem Terrain: Sie tourt durch Österreichs Klassenzimmer, um Schülern Lust auf TV-Nachrichten zu machen. Wer von euch hat gestern die Nachrichten gesehen?", fragt TV-Journalistin Ingrid Thurnher, 45, lächelnd die 7 B des Gymnasiums Parhamerplatz in Wien. Zaghaft heben ein paar wenige ihre Hände, noch sind die Mädchen und Burschen etwas verhalten - immerhin kommt nicht jeden Tag ein ORF-Star in die Klasse.
Der Grund für Thurnhers Schulausflug: Gemeinsam mit ihren Kollegen gewährt sie Jugendlichen in ganz Österreich Einblick in politische Berichterstattung. Und will wissen, was den Schülern an den Nachrichtensendungen fehlt, was man verbessern kann.
Legendäre Sendung mit Otto Waalkes
Thurnher erklärt geduldig und ohne Tabus, welcher Tricks und Strategien sich Politiker bei Interviews bedienen, wie der Themen-Mix der Sendung entsteht und warum mitunter auch Boulevardmeldungen dort ihre Berechtigung haben. Auf die Frage, was ihre schwierigste Interviewsituation gewesen sei, schildert die humorvolle Anchorlady die mittlerweile legendär gewordene "ZiB 2"-Sendung mit Komiker Otto Waalkes (1997, Waalkes antwortete auf Fragen nur mit Passagen seines damals aktuellen Programms, kroch letztlich unters Moderatorenpult, Anm.). Und hat nicht nur die Lacher auf ihrer Seite, sondern auch einige Fans dazugewonnen
WOMAN Nr. 24/07 traf die beliebte Nachrichtenmoderatorin nach der "Schulstunde" zum Interview.
Woman: Ihr Auftritt in der Klasse erweckte den Eindruck, als würden Sie das jeden Tag tun - könnten Sie sich vorstellen, als Lehrerin zu arbeiten?
Thurnher (lacht): Ich denke, dieser Zug ist abgefahren
vielleicht im zweiten Bildungsweg?! Im Ernst, ich bin happy in meinem Beruf. Ich seh mich hier auch nicht als Lehrende, sondern ich möchte mit den Jugendlichen auf einer Ebene diskutieren und wissen, wie das, was wir machen, bei ihnen ankommt.
Woman: Und wie beurteilen die Schüler Ihre Arbeit?
Thurnher: Sie meinen, dass in der "ZiB" viele "alte" Themen behandelt werden und zu viel Fachvokabular verwendet wird. Das ist für uns eine beträchtliche Herausforderung, nicht in der eingefahrenen Politsprache dahinzutrotten oder sich in Partizipialkonstruktionen zu verlieren. Wir müssen uns immer wieder am Riemen reißen und so sprechen, dass uns jeder und sofort versteht. Denn Nachrichten sind kein verstaubtes Programm für Pensionsten, sondern sie gehen uns alle etwas an!
Woman: Wie halten Sie sich politisch auf dem Laufenden?
Thurnher: Die Tageszeitungen lese ich immer schon am Vortag. Das meiste lese ich aber online, vor allem die großen deutschen Zeitungen. Um sieben Uhr früh schalte ich im Radio das Morgenjournal ein, ab acht Uhr den Fernseher.
Woman: Wann waren Sie das letzte Mal 24 Stunden ohne Nachrichten?
Thurnher (lacht): Das kommt selten vor, man hat ja praktisch in jedem Hotelzimmer einen Fernseher, wo man kurz reinschauen kann. Die wichtigsten Meldungen kommen sowieso als SMS aufs Handy. Für mich ist es aber keine Verpflichtung, Nachrichten zu konsumieren, sondern ein ganz natürlicher Teil des Tagesablaufs. So wie man sich die Zähne putzt.
Woman: Wann und wie schalten Sie mal ab?
Thurnher: Kurz vor neun geh ich aus dem Haus, betreibe ein Stunde Sport. Und auch am Wochenende.
Woman: Was hat sich durch Ihren Wechsel von der "ZiB 2" in die "ZiB 1" für Sie verändert?
Thurnher: Die Sendung ist früher und kürzer, es gibt keine Interviews. Die stärkste Resonanz kommt allerdings von meinem Frisör, der sagt: Frau Thurnher, seit Sie in der "ZiB 1" arbeiten, wollen noch mehr Menschen Ihren Haarschnitt haben!
Das komplette Interview zum Nachlesen finden Sie im aktuellen WOMAN Nr. 24/07
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