ÖVP erneuert Kritik an PISA-Chef Haider:
"Wissenschaftlich nicht profund gearbeitet"
- Missethon: "Ich frage mich, ob der Mann das kann"
- Wurde von ehemaliger Ministerin Gehrer eingesetzt

·PISA: Extrem große Leistungsunterschiede
Beste und schlechteste Schüler weit auseinander
·Kommt gemeinsame Ausbildung für Lehrer?
Hahn nach PISA-Studie für neue Debatte bereit
·PISA-Studie: Schmied
fordert Umdenken
Ergebnisse jetzt offiziell: Österreich im Mittelfeld
·Die PISA-Aufgaben: Hätten Sie's gewusst?
DURCHKLICKEN: Testen Sie ihr eigenes Wissen!
·KLICKEN: Das PISA- Ergebnis in Kurzform
Von Gesamtergebnis bis Geschlechterdifferenz
·PISA: Mädchen lesen,
Buben rechnen besser
Bei Naturwissenschaften Unterschiede im Detail
·GRAFIK: Vergleich Entwicklung seit 2000
Finnland, Deutschland, Österreich & Durchschnitt
·GRAFIK: Die besten der OECD-Länder
Wer in Naturwissenschaft, Lesen und Mathe glänzt
·Österreicher halten nichts von PISA-Studie
Wahres Potenzial der Schüler nicht gemessen
Die ÖVP erneuert ihre Kritik am Leiter des Projektzentrums für Vergleichende Bildungsforschung (ZVB), Günter Haider. Zumindest bei der PISA-Studie 2000, deren Ergebnisse später von der OECD korrigiert wurden, sei offenbar "wissenschaftlich nicht profund gearbeitet worden", meinte ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon bei einer Pressekonferenz. Er frage sich, "ob der Mann das kann". Haider sei sowohl PISA-Datenerheber als auch -Interpretierer und "Bildungsexperte der Ministerin". Damit habe er "zu viele Hüte auf". Man solle offen ansprechen, ob man ihm nicht den einen oder anderen herunternehme.
Sowohl Missethon als auch die Wiener VP-Bildungssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager zweifelten die "wissenschaftliche Sauberkeit" der Arbeit Haiders an. Darüber hinaus habe er seine verschiedenen Zuständigkeiten vermischt und aus den PISA-Daten politische Forderungen abgeleitet. "Man muss wissen, auf welchem Sessel man was sagt", so Cortolezis-Schlager. Einen Rückzug aus dem PISA-Konsortium verlangte sie von Haider nicht explizit - Unterrichtsministerin Claudia Schmied müsse sich aber genau ansehen, wer mit der Durchführung der nächsten Studie beauftragt wird.
Derzeit wird PISA vom ZVB an der Uni Salzburg durchgeführt, die auch Vertragspartnerin des Unterrichtsministerium ist. Künftig soll das ab 1. Jänner 2008 entstehende Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) für die Abwicklung zuständig sein - derzeit laufen Verhandlungen über dessen Leitung.
Eigene Wien-Auswertung gefordert
Cortolezis-Schlager forderte für Wien eine eigene PISA-Auswertung - eine solche sei im Gegensatz zu anderen Bundesländern möglich. Die Daten der nationalen Auswertung seien für Ballungszentren nicht aussagekräftig, da diese über einen viel höheren Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund verfügten. Weiters verlangte sie von Schmied eine Veröffentlichung aller Lesescreening-Ergebnisse sowie die flächendeckende Einführung der Bildungsstandards in der vierten und achten Schulstufe. Dabei müsse jeder Schulstandort, jedes Bundesland und ganz Österreich ausgewertet werden.
Der SPÖ warf Cortolezis-Schlager vor, die Vorverlegung der Sprachförderung verschlafen zu haben. So müsse eine Sprachstandsfeststellung schon 15 Monate vor Schuleintritt erfolgen, außerdem müsse es ab dem Alter von vier Jahren einen Gratis-Kindergarten für Kinder mit Sprachdefiziten geben. Kinder, die beim Eintritt in die Volksschule noch immer Sprachprobleme haben, sollen in den bereits jetzt möglichen Vorschulklassen zunächst Deutsch lernen ("Vorbereitungsklassen"). (apa/red)
