US-Dollar im steilen Sturzflug: Kann jetzt der Euro Rolle als Leitwährung übernehmen?
- FORMAT: Wird die OPEC bald in Euro fakturieren?
- Bush verwandelte Clinton-Überschuss in 6 %-Defizit

Die Entwicklung des US-Dollar kann man momentan am besten in Zahlen verdeutlichen: 2002 bekam man für einen Euro nur 86 Dollar-Cent - derzeit kratzt der Kurs an 1,50 Dollar. Gegen einen handelsgewichteten Währungskorb hat der Greenback in den vergangenen fünf Jahren ein Viertel seines Wertes verloren, und jede Äußerung von Zweifel drückt den Kurs weiter nach unten.
Erst dachten die Opec-Staaten hinter verschlossenen Türen darüber nach, Öl in Zukunft in Euro zu fakturieren. Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad beschimpfte nach dem Treffen das einstige Bollwerk Dollar als "wertloses Stück Papier". Dann ließ China - das 1,4 Billionen Dollar hält und täglich weitere kauft - die Bemerkung fallen, man solle die Währungsreserven diversifizieren. Es folgten die Präsidenten von Venezuela und Ecuador und bejubelten das Ende der Dollar-Ära.
Es ist jetzt nicht das erste Mal, dass der Dollar schwächelt. Das war auch Ende der 70er-, Mitte der 80er- und Mitte der 90er-Jahre der Fall, und der Dollar hat immer überlebt: Derzeit werden 65 Prozent der weltweiten Währungsreserven in Dollar gehalten; 60 Länder haben ihre Währungen an die der USA gebunden; praktisch alle Rohstoffe und mehr als die Hälfte des Welthandels werden in Dollar abgerechnet. Doch nun scheint die Lage ernst. So wie das britische Pfund vor einem halben Jahrhundert seinen Status als Leitwährung verlor, könnte nun das Ende der Dollar-Ära gekommen sein.
Amerikaner shoppen auf Kredit
Die Krise kommt nicht von ungefähr, wurde die US-Wirtschaft doch hauptsächlich vom Konsum getrieben - und shoppen gehen die Amerikaner eben auf Kredit: Die Verschuldung der Haushalte liegt bei weit über 100 Prozent des verfügbaren Einkommens. Präsident Bush verwandelte den Haushaltsüberschuss aus der Ära Clinton in ein Defizit von sechs Prozent des BIP, die Handelsbilanz wird heuer ein Manko von 800 Milliarden Dollar ausweisen.
Der Fall ihrer Währung ist den Amerikanern bisher bemerkenswert egal - selbst wenn kein Ende in Sicht ist, die Fed die Zinsen weiter senkt und die Investitionen in den USA zurückgehen. Präsident Bush wiederholt stoisch: "Wir wollen einen starken Dollar und machen die richtige Politik dazu", tut in Wirklichkeit das Gegenteil - und freut sich über die steigenden Exporte, die die US-Wirtschaft derzeit als Einziges vor der Rezession bewahren.
Ist der Euro stark genug?
Doch diesmal gibt es einen entscheidenden Unterschied zu den bisherigen Schwächeperioden der US-Währung: Den Euro als Alternative, der das Zeug zur neuen globalen Leitwährung hat. Allein der Anteil des Euro an den internationalen Devisenreserven hat sich seit 1999 von 18 Prozent auf 26 Prozent erhöht. Auch als Ankerwährung holt der Euro auf: Gegenüber den 60 Ländern mit dollargebundener Währung haben sich derzeit 40 an den Euro gebunden, Tendenz steigend.
Im Welthandel liegt der Dollar derzeit weit vorn - doch das kann sich schnell ändern: "Die entscheidende Frage wird sein, ob die Opec-Staaten die Abrechnung von Öl von Dollar auf Euro ändern", sagt Manfred Neumann, Professor an der Universität Bonn. "Sollte das passieren, hätte das starke Konsequenzen."
Die ganze Story finden Sie im FORMAT Nr. 49/07!

